Blitz­ent­schleunigt
8. Oktober 2016

Was ist denn hier los? Bereits am ersten Reise­morgen schlafen wir länger als erwartet — ein Frühstück um 9 Uhr hatten wir eigentlich nicht einge­plant auf unserem langen Weg in den Westen. Wir werten es aber als gutes Zeichen für eine Spontanentschleunigung.

Unser Ziel für heute ist die norman­nische Küste. Zunächst Le Treport und später Etretat stehen auf dem Speise­zettel für Reisegourmets.

Die Reise Richtung Meer ist weitest­gehend unspek­ta­kulär. Bis auf den Moment, wo uns ein anderes Womo bei der Ausfahrt aus einem Kreis­verkehr so bösartig von der inneren Kreis­ver­kehrspur kommend schnibbelt, dass ich a) in die Bremsen steigen muss und b) über den (gottseidank abgeflachten) Bordstein ausweichen muss! Bis auf Schreck und durch das MoMo purzelnde Baduten­silien ist aber nix passiert.

In Le Treport werden wir zum Stell­platz oberhalb der Steil­küste gelotst, wo wir einen der bereits weniger werdenden Stell­plätze belegen. Wir halten die 6€ zwar für einen eher teuren Preis für einen Parkplatz, aber dafür stehen wir auch wirklich hübsch. Denn der Blick von hier oben hinunter auf das türkis­grüne Meer, den Ort und die Steil­küste in der Ferne ist schon sehr fein.

Auf dem Weg hinab in die Stadt verzichten wir erst mal auf die Funicu­laire, die Stand­seilbahn. Wir entdecken neben einem überdi­men­sio­nalen Wandge­mälde ein nett ausse­hendes Restaurant, die Pizzeria Brasserie de la Tour.

Aber wir gehen natürlich erst dorthin, nachdem wir an der Meeres­pro­menade auch noch alle anderen Restau­rants ausge­checkt haben. Wir müssen uns erst mal wieder an die franzö­sische Esskultur mit Dutzenden Menus und Formule Midis gewöhnen. Für heute tun es erst mal eine Pizza und Moules Frites. Mit Estra­gon­rahmsud. Mjam.

So gut gestärkt lässt sich die Stadt dann auch gleich viel besser erkunden. Und wir machen uns auf den Weg über die Schleuse des Hafen­be­ckens in den nördlichen Teil der Stadt mit dem Strand­bou­levard und seinen teilweise schrill bunten alten Häusern.

Das verrückte an der Sache: 90% dieser Häusern sind verriegelt und verrammelt. Also: alle Schlag­läden und Rolläden dicht. Obwohl an der Promenade noch reges Treiben herrscht!

Wir gehen bis zum nördlichen Ende zu den Steil­klippen und sind vor allem vom einzig­ar­tigen Brandungs­ge­räusch begeistert: Da hier ein sehr grober Kiesel­strand ist, nimmt die zurück­wei­chende Brandung immer eine ganze Ladung dieser Steine mit. Ein unbeschreib­liches Geräusch, dass deutlich macht, welche Kraft das Wasser hat.

Da der Tag mittler­weile schon weit fortge­schritten ist, beschließen wir, den ohnehin bezahlten Stell­platz für die Nacht zu nutzen und erst morgen nach Etretat weiter zu fahren.  Blitzentschleunigung!

Nachdem wir mit der kosten­losen Funicu­laire äußerst bequem wieder die Klippen hinauf­ge­kommen sind, genießen wir die Muße zum Lesen, schlemmen das feine Baguette mit Noix und Fromage de Chevre und freuen uns bei der Lektüre unserer Reise­führer auf die kommenden Wochen in Nordfrankreich.

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