Blitzentschleunigt

Was ist denn hier los? Bereits am ersten Reisemorgen schlafen wir länger als erwartet – ein Frühstück um 9 Uhr hatten wir eigentlich nicht eingeplant auf unserem langen Weg in den Westen. Wir werten es aber als gutes Zeichen für eine Spontanentschleunigung.

Unser Ziel für heute ist die normannische Küste. Zunächst Le Treport und später Etretat stehen auf dem Speisezettel für Reisegourmets.

Die Reise Richtung Meer ist weitestgehend unspektakulär. Bis auf den Moment, wo uns ein anderes Womo bei der Ausfahrt aus einem Kreisverkehr so bösartig von der inneren Kreisverkehrspur kommend schnibbelt, dass ich a) in die Bremsen steigen muss und b) über den (gottseidank abgeflachten) Bordstein ausweichen muss! Bis auf Schreck und durch das MoMo purzelnde Badutensilien ist aber nix passiert.

In Le Treport werden wir zum Stellplatz oberhalb der Steilküste gelotst, wo wir einen der bereits weniger werdenden Stellplätze belegen. Wir halten die 6€ zwar für einen eher teuren Preis für einen Parkplatz, aber dafür stehen wir auch wirklich hübsch. Denn der Blick von hier oben hinunter auf das türkisgrüne Meer, den Ort und die Steilküste in der Ferne ist schon sehr fein.

Auf dem Weg hinab in die Stadt verzichten wir erst mal auf die Funiculaire, die Standseilbahn. Wir entdecken neben einem überdimensionalen Wandgemälde ein nett aussehendes Restaurant, die Pizzeria Brasserie de la Tour.

Aber wir gehen natürlich erst dorthin, nachdem wir an der Meerespromenade auch noch alle anderen Restaurants ausgecheckt haben. Wir müssen uns erst mal wieder an die französische Esskultur mit Dutzenden Menus und Formule Midis gewöhnen. Für heute tun es erst mal eine Pizza und Moules Frites. Mit Estragonrahmsud. Mjam.

So gut gestärkt lässt sich die Stadt dann auch gleich viel besser erkunden. Und wir machen uns auf den Weg über die Schleuse des Hafenbeckens in den nördlichen Teil der Stadt mit dem Strandboulevard und seinen teilweise schrill bunten alten Häusern.

Das verrückte an der Sache: 90% dieser Häusern sind verriegelt und verrammelt. Also: alle Schlagläden und Rolläden dicht. Obwohl an der Promenade noch reges Treiben herrscht!

Wir gehen bis zum nördlichen Ende zu den Steilklippen und sind vor allem vom einzigartigen Brandungsgeräusch begeistert: Da hier ein sehr grober Kieselstrand ist, nimmt die zurückweichende Brandung immer eine ganze Ladung dieser Steine mit. Ein unbeschreibliches Geräusch, dass deutlich macht, welche Kraft das Wasser hat.

Da der Tag mittlerweile schon weit fortgeschritten ist, beschließen wir, den ohnehin bezahlten Stellplatz für die Nacht zu nutzen und erst morgen nach Etretat weiter zu fahren.  Blitzentschleunigung!

Nachdem wir mit der kostenlosen Funiculaire äußerst bequem wieder die Klippen hinaufgekommen sind, genießen wir die Muße zum Lesen, schlemmen das feine Baguette mit Noix und Fromage de Chevre und freuen uns bei der Lektüre unserer Reiseführer auf die kommenden Wochen in Nordfrankreich.

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