Trolle, Erdbee­ren und dicke Schiffe
27. Juli 2016

Wir stellen fest, dass wir etwas verlot­tern. Die Abende werden lang und länger und entspre­chend spät kommen wir aus den Federn. Heute tatsäch­lich erst um 10 Uhr! Immer­hin ist es deutlich freund­li­cher als gestern abend. Die Troll­wand sieht mit blauem Himmel und Wölkchen gleich noch mal so doll aus.

Für uns steht eine touris­ti­sche Pflicht­at­trak­tion an: Der steile Trollsti­gen mit seiner atembe­rau­ben­den Strecken­füh­rung. Kurz bevor es ernst wird, machen wir noch mal Halt bei einem Touri-Souve­nir­shop, weil sie so einen freund­li­chen dreiköp­fi­gen Riesen­troll auf dem Parkplatz stehen haben. Aber in der Bude gibt es mal wieder nix, wofür wir das Porte­mon­naie zücken würden.

Vor der ersten Serpen­tine gibt es noch mal Aussichts­punkte, von denen aus man sich die Strecke noch mal in Ruhe angucken kann. Links und rechts Wassser­fälle. Mehrere enge Serpen­ti­nen. Aber was könnte uns nach dem Aursjø­ve­gen noch schocken…?

Und tatsäch­lich ist die Fahrt auf der bestens ausge­bau­ten Strecke auch für Annette kein Grund zur Panik. Da sind wir vom Aursjø­ve­gen deutlich schlim­me­res gewöhnt! Und mir macht diese Klette­rei sogar Spaß. Tolle Sache!

Der wirklich große Besucher­park­platz an der Aussichts­platt­form sieht seeehr voll aus, aber wir haben Glück mit einem gerade frei gewor­de­nen Parkplatz am Straßen­rand. Gut, dass wir uns gar nicht erst ins Getüm­mel werfen müssen.

Denn voll ist es in der Tat! Vom Besucher­zen­trum wird man auf einem Steg zu zwei Aussichts­punk­ten gelotst. Schon der erste, näher gelegene bietet tolle Aussich­ten auf Straße, Tal und Wasser­fall.

Aber erst von der zweiten Platt­form aus hat man den wirklich einma­li­gen Überblick über nahezu die gesamte Strecke des Trollsti­gen. Und wir schauen faszi­niert zu, wie sich immer wieder Engstel­len bilden, wenn zwei Dicke anein­an­der vorbei müssen. Und teilweise sind das ganz schön beträcht­li­che Schlan­gen, die sich da bilden!

Beson­ders schön sieht man das in dem Zeitraf­fer­vi­deo, was ich über 8 Minuten gemacht habe — wenn man das einge­dampft auf 1 Minute sieht, hat man fast den Eindruck, dass der Verkehr problem­los fließt!

Apropos Schlan­gen: Als wir zum Besucher­zen­trum zurück­keh­ren sind wohl gerade 3 Busse angekom­men und entspre­chend schie­ben sich die Menschen Richtung Aussicht — solche Menschen­mas­sen sind wir wirklich nicht mehr gewohnt!

Auf der Weiter­fahrt durchs Meiadal wird es zunächst majes­tä­tisch rau. Und beim nächs­ten Aussichts­punkt nach den Trollsti­gen ist vom Trubel, der dort herrschte, schon wieder nichts mehr zu spüren. Puh!

Wieder ein paar Kilome­ter weiter kommt die nächste Attrak­tion: Der/die/das Gudbrand­s­ju­vet ist mal wieder eine Engstelle im Fluss mit rauschen­den Wasser­mas­sen. Fast schämt man sich bei dem Gedan­ken “Das hatten wir jetzt ja schon ein paar Mal…”, denn toll ist es ja immer noch. Was mir an diesem Punkt mal wieder beson­ders gefällt, ist die Gestal­tung der Aussichts­platt­form mit einer geschwun­ge­nen Wegfüh­rung, der Mischung als Rost und Glanz und den spiele­risch leicht wirken­den Gittern am Rande.

Im nun nahtlos folgen­den Valldal ist alles ein Stück liebli­cher als zuvor, da wir doch ein gutes Stück bergab gefah­ren sind. Und selbst wenn man es vorher nicht schon gelesen hätte: Am Ende der Strecke weiß man, dass das Tal berühmt für seine Erdbee­ren ist. Überall am Weges­rand gibt es Stände, die von den Töchtern des Hauses besetzt sind. Wir lassen uns nicht lumpen und kaufen auch ein Schäl­chen!

Als wir hinun­ter zum Norddalsfjord kommen, verschlech­tert sich leider auch das Wetter. Es ist deutlich trüber gewor­den und auch Regen hat einge­setzt. Daher planen wir spontan um.  Die eigent­lich angesetzte Fahrt nach Geiran­ger verschie­ben wir nach hinten und fahren weiter Richtung Ålesund, wo es sich sicher­lich auch bei nicht so gutem Wetter ganz gut aushal­ten lässt.

Am tollen Aussichts­punkt Liabygda, wo man einen herrli­chen Blick auf die Gabelung des großen Storfjords hat, beschlie­ßen wir, erst mal ein Kaffee­päu­schen zu machen und Annette zaubert mit den Erdbee­ren und handge­schla­ge­ner Sahne ein wahrlich köstli­ches Mahl. Und ich habe den Geistes­blitz, dass ja eventu­ell ein Kreuz­fahr­triese auf dem Rückweg von Geiran­ger sein könnte. Und nach einem kurzen Check im Inter­net stellen wir fest, dass hier bald wirklich ein Riese vorbei­kom­men müsste: Die “Konings­dam” ist mit fast 300m Länge und 2600 Passa­gie­ren wahrlich nicht klein. Aber als sie dann tatsäch­lich hinter der Felsnase auftaucht, wird mal wieder deutlich in welcher Liga diese Landschaft hier spielt. Gegen die umgeben­den Stein­wände sieht auch so ein riesi­ges Schiff nicht wirklich beein­dru­ckend aus…

In Ålesund kommen wir recht spät an — um 19.30 Uhr sind hier schon alle 30 Stell­plätze auf dem offizi­el­len Platz in der Nähe des Stadt­zen­trums verge­ben. Was nun? Ich erinnere mich, dass ich davon gelesen habe, dass beim Aussichts­re­stau­rant Fjell­s­tua auf dem Hausberg Aksla ein öffent­li­cher Parkplatz sei, wo man auch über Nacht stehen könne. Also peilen wir den an. Aber das Navi lotst uns ziemlich abenteu­er­lich durch enge Gässchen bis zu einem Schild, was eigent­lich die Durch­fahrt verbie­tet. Was jetzt? Ich frage den vorbei­ge­hen­den Parksün­der­auf­schrei­ber und kriege in perfek­tem Deutsch eine Wegbe­schrei­bung, die auch für Wohnmo­bile geeig­net ist. Heissa!

Und als wir auf dem Weg hinauf zum Aksla wieder unsere bergauf joggen­den Norwe­ger sehen, wissen wir, dass es gut werden wird. Die Aussicht hinun­ter auf Ålesund und zu den umgeben­den Inseln ist großar­tig und neben einem dort schon für die Nacht gepark­ten Womo finden wir auch noch ein passa­bel ebenes Plätz­chen.

Und als Tüpfel­chen auf dem i kommt am Horizont noch einmal die Konings­dam vorbei und ich könnte schwö­ren, dass der Kapitän uns gerade anerken­nend zugewun­ken hat.

Vassen­den­in­dex

Bis zu den Fjorden war eigent­lich alles gut. Aber ab nachmit­tags dann doch starke Tendenz zu grau und nass.

Sommer­wet­ter:  10,5

Pisswet­ter: 3,5

3 Kommentare

  1. Beim Zeitraf­fer Video der Strecke des Trollstige erinnert mich an Carrera Autobahn­ren­nen mit meinen Brüdern?.
    Tolle Eindrü­cke & Berichte von Euch beiden!
    Macht weiter so.
    Msrtine

    Antworten
    • Stimmt!

      Antworten
  2. Hey hey, die Konings­dam haben wir gestern auch gesehen, heute morgen versperrt Mein Schiff 5 die Aussicht. Klar wo wir in der ersten Reihe stehen. Und die Sonne scheint.
    In Alesund wollen wir morgen Vormit­tag aufschla­gen.

    Antworten

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Norwegen und Schweden Sommer 2016
Volldampf voraus

Volldampf voraus

Ordnungsgemäß habe ich mir den Wecker gestellt, damit wir nicht die Fähre verschlafen. Wäre aber nicht nötig gewesen, da Annette schon wach wurde als unsere Berliner Nachbarn mit ihrem Bus losfuhren. Komisch, die wollten doch auch mit der Fähre nach Rostock...? Bis es...

Finale Furioso

Finale Furioso

Merkwürdig. Je mehr die Reise sich dem Ende zuneigt, um so früher wachen wir auf. Vorbereitung auf den Arbeitsalltag oder Auskosten jeder Minute, die noch bleibt...? Annette ist Feuer und Flamme, bei dem schönen sonnigen Wetter draußen zu frühstücken. Mir sitzt aber...

Endspurt

Endspurt

Wobei: Spurt trifft es nur bedingt. Wir brechen nämlich ganz gemütlich auf und auch die Fahrt ist alles andere als gehetzt. Aber es geht halt auf die Zielgerade. Die Ziellinie in Form des Trelleborger Hafens zeichnet sich klar im Kalender ab und daher müssen wir heute...

Kleine Tour zum Langen Jan

Kleine Tour zum Langen Jan

Die Entscheidung, noch eine weitere Nacht auf dem Campingplatz zu bleiben, fällt uns nicht schwer. Das Wetter ist heute mal wirklich richtig sommerlich - man kann tatsächlich ohne Reue in T-Shirt und Shorts rumlaufen. Hatten wir jetzt auch nicht so häufig... Wir...

Hey hey, my my

Hey hey, my my

Ein bisschen läuft uns das schlechte Wetter nach. Heute morgen ist es bedeckt und windig. Macht uns aber mittlerweile schon nix mehr aus. Wir fahren zur nahe gelegenen Burg Eketorp. Aber das Angucken von der Ferne reicht uns dann auch aus. Den eher happigen Eintritt...

Reif für die Insel

Reif für die Insel

Spät geht es heute los. Wir genießen das Trödeln und das freundlich-warme Wetter am kleinen Sandstrand unseres Stellplatzes. Dann geht es aber weiter in unsere "Heimatstadt": Nach Mönsterås! Wir wollen dort sicherheitshalber unsere leere Gasflasche auffüllen lassen....

Schwe­den­ro­man­tik

Schwe­den­ro­man­tik

Nachdem wir uns in Västervik noch mal mit Einkaufen und Volltanken für die letzten Tage gerüstet haben, geht es wieder auf die E22. Wir fahren weiter Richtung Süden. Annette hat im Womoführer den Tipp entdeckt, einen Abstecher nach Stensjö By zu machen. Ein eigentlich...

Windige Ecke

Windige Ecke

Nach den Gammeltagen auf dem Campingplatz müssen wir erst mal wieder auf Touren kommen. Aber gaaanz langsam! Also erst mal nur ein kurzes Stückchen bis nach Västervik, was die nächste etwas größere Stadt ist. Direkt an den Ostseeschären. Wir finden mitten im Zentrum...

Faulheit, Fahrrad und Pigge­lin

Faulheit, Fahrrad und Pigge­lin

Heute ist Teil 2 des ultimativen Seele-baumeln-lassens. Insofern gibt es hier nicht viel zu berichten. Das Wetter ist weiter heiter-stürmisch-bewölkt-warmkühl. Irgendwie für dauernd draußen sitzen zu kalt und für drinnen bleiben zu schön. Also wechseln wir beständig...

Gammel­tag mit Unwet­ter

Gammel­tag mit Unwet­ter

Eigentlich ist der heutige Tag schnell mit dem Wort "Gammeltag" zusammengefasst. Nach einem gemütlichen Frühstück ziehen wir vom provisorischen Wiesenplatz auf den Campingplatz um. Erfreulicherweise kriegen wir sogar unseren Wunschplatz unter all den Möglichkeiten,...

Endlich chillen

Endlich chillen

Ich werde ausgesprochen früh wach und nutze die Gelegenheit, um vor allen anderen zu duschen. Denn der Stellplatz liegt noch in friedlichem Schlummer vor mir - kein Wunder, ist ja auch Sonntag. Und auch die Dusche an diesem Stellplatz ist kostenlos, aber trotzdem top....

Umstel­lun­gen

Umstel­lun­gen

Man könnte es glatt persönlich nehmen. Auch heute morgen ist es wieder grau und trüb. Naja, dann fallen die Entscheidung zum Weiterfahren und der Abschied nicht so schwer. Trotz Landstraße kommen wir hier in Schweden einfach schneller und stressfreier voran. Tempomat...