Molde-Panorama
23. Juli 2016

Gut, dass wir gestern den Tag und die Aussichten so genossen haben! Denn der heutige Tag grüßt uns mit feinstem Vassenden-Wetter: Die Wolken hängen tief, so dass man die steilen Wände rundherum nicht mal mehr erahnen kann. Und wach werden wir vom tröpfelnden Regen auf dem MoMo-Dach.

Wir machen uns trotzdem auf den Weg zum unteren der beiden Mardals­fosse. Und das, obwohl vom Parkplatz nicht mal der untere Wasserfall zu sehen ist. Ein sehr schön angelegter Weg führt dann bis zum unteren Wasserfall hinauf und jetzt, wo wir nah genug sind, können wir ihn sogar sehen. Wir machen das Beste draus und finden, dass ihn so ja auch nicht jeder zu sehen bekommt. Und gut, dass wir ihn gestern mit seinem oberen Bruder zusammen sehen konnten!

Auf dem Rückweg verewigt uns Annette noch im Gästebuch, das stilvoll in einem grasbe­dachten Brief­kasten aufbe­wahrt wird. Manche haben das mit dem verewigen sehr ernst genommen und sich auch noch ins Holz eingra­viert…

Wir fühlen uns speziell hier sehr an Irland erinnert. Anscheinend bedingt durch das Mikro­klima rund um den Wasserfall ist es üppig grün, es gibt bemooste Findlinge und es gibt eine mindestens bei 100% liegende Luftfeuch­tigkeit.

Gegen 13 Uhr brechen wir Richtung Molde auf. Die Fahrt entlang des Sees ist im Vergleich zu gestern geradezu idyllisch. Wenn man mal vom 4 Kilometer langen, eher engen Tunnel absieht. Aber selbst der ist im Vergleich zu gestern geradezu luxuriös.

Nun geht es zunächst durch fast schon liebliche Landschaft zwischen See und Fjord, bei der uns vor allem die in jeweils einer anderen Farben bunt lackierten Fahrräder auffallen, die hier am Wegesrand stehen. Die Passstraße über einen Bergrücken, die wir heute nehmen müssen, nötigt selbst Annette nur ein müdes Lächeln ab: Breit, asphal­tiert und sogar mit einem Mittel­streifen: Läppsch! Dafür gibt es auf der Bergauf­seite immerhin einen schönen Aussichts­punkt samt Fahrrad. Bergab liegt der Gipfel­be­reich fest in den Wolken.

Nun geht es weiter entlang unseres ersten Fjords auf dieser Reise: Am Langfjord ist es auf einmal richtig sonnig. Und damit lassen wir das Vassen­den­wetter für heute auch gerne hinter uns.

Unsere erste Fährüber­fahrt steht an. Anders als letztes Jahr in Schweden wir hier kassiert. Und es gibt jede Menge Regeln zu beachten. Zumindest in der Theorie. Denn in der Praxis hält sich da so ungefähr keiner dran. Also nix mit “Gas abdrehen”, nix mit Verbot, während der Überfahrt im Fahrzeug zu sitzen und es würde mich auch nicht wundern, wenn sich niemand ans Rauch­verbot hielte.

Nach der Fähre geht es spannend weiter. Wir müssen erst über eine sehr schön geschwungene Brücke und anschließend in einen Tunnel, der schnur­gerade wahnsinnig tief hinab führt und natürlich genau so steil wieder hinauf. Das MoMo muss ganz schön arbeiten (wie sicherlich alle anderen Fahrzeuge auch) und entspre­chend ist auch die Luft in der Tunnel­röhre.

Annette hat uns einen feinen Zielpunkt ausge­guckt. Vom Aussichts­punkt Varden soll man einen guten Ausblick auf die Küsten­region vor Molde haben. Der Weg ist zwar wieder schot­terig-rüttelig, wird aber von uns und dem MoMo weitest­gehend unauf­geregt bewältigt. Die Aussicht, die sich einem tatsächlich erst kurz vor Schluss bietet, ist mit gut nur unzutreffend beschrieben. Fantas­tisch passt da schon besser! Wirklich aus der Vogel­per­spektive guckt man hinunter und hat einen grandiosen Überblick über die umlie­gende Landschaft Richtung Süden.

Hier gefällt es uns so gut, dass wir beschließen, das Weiter­fahren mit sofor­tiger Wirkung zu beenden und statt­dessen einfach mal diesen Ort zu genießen. Also werden Kaffee und Kekse gereicht und anschließend setzen wir uns mit Büchern hin und lesen. Und gucken Landschaft. Und Leute.

Aber während die meisten manchmal schon nach 5 Minuten wieder weg sind, können wir bleiben und beobachten, wie sich die Landschaft im Laufe des Tages und mit dem Ziehen der Wolken verändert. Mehr brauchen wir heute nicht.

Und als wir abends dann nach Umparken auf den ultima­tiven Aussichts­stell­platz noch 2 Hurtig­ruten-Schiffen beim Anlegen zugucken, klopfen wir uns auf die Schulter und sagen: “Gut gemacht!”

Vassen­den­index

(Wieder ein 50:50-Tag)

Sommer­wetter: 8

Pisswetter: 2

2 Kommentare

  1. Also wirklich 🙂
    Gratu­lation zu euren hervorr­ga­genden Berichten und den exzel­lenten Bildern!
    Ich freue mich jedesmal, wenn ihr auf Riesen geht!

    Einfach Toll!
    Gute Reise!

    Viele Grüsse
    Frank

    Antworten
  2. Danke­schön! Freut mich, wenn es den Mitrei­senden gefällt! ?

    Antworten

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