Plan B
14. Oktober 2015

Da sich das Wetter sehr vergraut, sieht unser Plan so aus: Wir wollen die Südküste verlassen und Richtung Norden ein paar Kilometer machen und bis zur Nordküste der Bretagne kommen.

Auf dem Weg wollen wir in Auray noch die lästige Geschichte mit dem falschen Handy­gut­haben-Kauf in Vannes regeln, da wir ansonsten inter­net­mäßig auf dem Trockenen säßen. Und Auray soll ein nettes Städtchen mit einer sehens­werten Altstadt sein. Passt doch!

Da wir auch kein Brot mehr haben, gibt es zum Frühstück halt ein bisschen Müsli und wir wollen uns in Auray ein nettes Café für ein zweites Petit Dejeuner suchen. Und wir haben wirklich Glück, denn wir machen einen tollen Fund: Mit dem L’Epi­cerie finden wir nämlich ein ausge­spro­chenes Schmuck­stück von Café-Restaurant. Im Stile des hundert Jahre alten Lebens­mit­tel­ge­schäfts einge­richtet, mit guter Musik und einer äußerst freund­lichen Bedienung, die sogar bereit­willig englisch mit uns spricht, was die Verstän­digung doch sehr verein­facht. Und wer kann schon bessere Crois­sants servieren als die Franzosen?

Solcher­maßen gestärkt, begeben wir uns in die Stätte des Bösen: den SFR-Shop. Das kann ich nach unseren heutigen Erleb­nissen getrost so sagen. Zwar werden wir wie immer wirklich freundlich bedient und der Tüp in Auray kann sogar recht gut englisch. Aber das, was wir wollen, kommt ihm doch sehr komisch vor. Ein Umtausch des falschen Guthaben-Bons könne man nur in Vannes machen. Und 1GB-Internet-Guthaben können man nicht aufladen. Ich könne aber für 30€ 2GB und kostenlose Telefonie innerhalb Frank­reichs haben. Oder aber 10€ Guthaben aufladen. Das gelte dann für Telefon, SMS und Internet. Wäre vielleicht nicht ganz 1GB, würde aber schon reichen. Völlig gotter­geben lasse ich mir 10€ Guthaben aufschwatzen und weil wir schon dabei sind, kriegt Annette auch noch 5€ spendiert. Man gönnt sich ja sonst nix. Und tatsächlich funktio­niert auch das Internet nun wieder. Cliff­hanger: Das war noch nicht alles…!

Aber nun erkunden wir erst mal die Stadt, stellen fest, dass die Stände in der Martkhalle alle schon abgebaut werden und stellen uns in Gedanken aus den leckeren Tartes beim Traiteur schon mal ein köstliches Abend­essen zusammen. Aber diese und auch den Käsenach­schub werden wir, einer alten Micha­regel folgend, auf dem Rückweg kaufen. Denn Auray hat neben den schon recht hübschen Gebäuden der Oberstadt auch einen noch älteren Teil am Fluss in der Unter­stadt. Und dafür muss man erst richtig bergab gehen, um auf einer alten Stein­brücke den Fluss zu überqueren, der tatsächlich Loch heißt. Fast schon schot­tisch!

Nachdem wir unseren Erkun­dungsgang beendet haben, geht es ans Einkaufen. Nun ja, ans Baguette-Kaufen. Denn alle anderen Geschäfte befinden sich in einer ausge­dehnten Mittags­pause. Autsch!

Und wie wir frustriert Richtung MoMo schleichen, kommt mir die Idee, dass es jetzt doch in der L’Epi­cerie Mittags­tisch geben müsste. Und überhaupt, es war doch so gemütlich…

Also kehren wir kurzerhand schon wieder dort ein und werden von einer überrascht-freundlich lächelnden Bedienung wieder­erkannt. Sie gibt sich größte Mühe, uns das an der Tafel angeschriebene Mitttags­ge­richt zu übersetzen, denn was anderes gibt es auch nicht! Da sich einfach alles lecker anhört, beschließen wir, sowohl die 2 verschie­denen Vor- als auch die Nachspeisen der Formule Midi mitzu­nehmen. Und was soll ich sagen: Wir haben nichts bereut! Der Laden trägt seinen Titel “Bistrot Gourmand” absolut zurecht. Und als wir noch einen Digestiv zum Abschluss angeboten bekommen, fühlen  wir uns mal wieder wie Gott in Frank­reich.

Auf dem Weg zurück zum Wohnmobil machen wir noch eine kuriose Entde­ckung. Die Kirche, die gerade renoviert wird, ist in Wirklichkeit eine große Galerie der Künstler der Region, die dort ihre Werke präsen­tieren können. Und wir sind sehr positiv überrasch, wie vieles uns davon gefällt.

Mittler­weile ist a) schon Nachmittag, b) freund­liches Wetter, c) der Wetter­be­richt für die Nordküste nicht der Kracher und d) mein 10€-SFR-Guthaben innerhalb ein paar Stündchen schon um 5€ geschrumpft. Ups!

Also wird Plan B geschmiedet. Der besagt, dass wir das Viertel­stündchen nach Vannes rüber fahre, um im dortigen SFR-Shop den Umtausch zu regeln und eine vernünftige Auskunft zum 1GB-Tarif zu kriegen. Und anschließend geht es dann westlich von Lorient ans Meer.

Der  Plan geht zumindest im ersten Teil nur so Mittel auf. Denn im Shop im immer noch nicht attrak­ti­veren Indus­trie­gebiet von Vannes gibt es zwar 4 Handy-Tüpinnen, aber keine von ihnen kann mehr als ein paar Bröckchen englisch. Autsch! Also radebreche ich, unter Zuhil­fe­nahme meiner gesam­melten SFR-Quittungen (mittler­weile ein fetter Batzen) und kann zumindest deutlich machen, dass “SFR Connecte Partout” böse ist und ich das doch bitte in “La Carte”-Guthaben umgewandelt haben möchte. Was folgt, erinnert irgendwie an die blödesten Beamten­witze, die man kennt. Die eine erklärt der anderen, was der Kunde wohl wolle. Das gehe nicht, meint die Dritte, woraufhin die Chefin sagt “Doch!”. Also wird erst mal eine Rückerstattung durch­ge­führt, wofür man im Compu­ter­system alle Buchungen des vergan­genen Samstags durch­sehen muss. Cash oder Kredit­karte? Ach so, cash. Also noch mal von vorne. Und tasächlich bekomme ich irgendwann auch meine 10€ ausge­zahlt. Das neue 1GB-Guthaben für den “La carte”-Tarif möchte ich jetzt noch kaufen. Ich halte sogar das entspre­chende Aufla­de­kärtchen schon in der Hand. “Nein, das ist schlecht. Das ist ja nur für Internet.” wird mir beschieden. An dieser Stelle zweifle ich das erste Mal dann doch an meinem Verstand und zeige noch mal meinen Beleg aus Metz vor, wo doch all das genau so vermerkt ist. Als die Madames dem leicht bekloppten Touristen, der so ein abwegiges Ansinnen hat, schließlich die Karte verkaufen wollen, stellen sie fest, dass das Compu­ter­system streikt. Vielleicht könnte ich ja bei Leclerc nebenan mein Guthaben kaufen…

Im Leclerc werden wir zwar bei Wein, Wasser und Käse fündig, werden aber wegen Handy­gut­haben in die Fotoab­teilung geschickt. Als ich dann sehe, dass man in der Fotoab­teilung auch Rasier­klingen kaufen muss, zweifele ich doch sehr am franzö­si­schen Ordnungs­system und wundere mich auch nicht mehr über die Auskunft, dass man so was Obskures wie Inter­net­gut­haben nicht aufladen könne. Aber erwähnte ich schon, dass die Franzosen immer sehr freundlich sind…?

Die Faxen dicke habend, beschließe ich, lieber meinen deutschen Freunden von Vodafone ihre frechen Auslands­ge­bühren zu zahlen, als weitere Lebenszeit mit dem Thema “Franzö­sische Mobil­funk­un­ter­nehmen” zu verschwenden. SFR, non merci…

Und schließlich warten präch­tiges Fahrwetter und das Meer auf uns. Warum also weiter rumärgern? Entspannt cruisen wir Richtung Guidel Plage und haben den Ärger von Vorher schon beim Anblick der Wellen, die sich an den langen Stränden brechen, vergessen.

Der erste Stell­platz, den jemand bei Promobil als “schönsten in der Bretagne” bezeichnet hat, ist zwar bis auf zwei Womos menschenleer, aber auch nicht wirklich prickelnd gelegen. Da gibt es zumindest noch einen, der in Sicht­weite liegt und deutlich näher am Meer mitten in den Dünen liegt. Können wir ja mal checken. Und er ist nicht nur fast ebenso leer und ebenso kostenlos, sondern auch nur einen Steinwurf vom Meer entfernt. Hurra!

Auf geht’s zum Strand und wir sehen und hören eine Welle nach der anderen herein­rollen und sich auf breiter Front vor dem Strand aufbauen und schließlich brechen. Herrlich!

Und auch wenn die Sonne schon bald hinter einem großen grauen Wolkenfeld verschwindet, ist der Himmel trotzdem noch schön genug beleuchtet, dass wir bis zum offizi­ellen Sonnen­un­tergang am Strand sitzen und den Anblick genießen.

Nachher im MoMo stellen wir dann fest, dass nicht nur ein weiter Teil des Strandes (aller­dings nicht bei uns) Militär­gebiet ist und von daher gerne mal ein Flugzeug einen Nacht­anflug über unsere Köpfe probiert. Das kann ja heiter werden.

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