Wild und wunder­schön
12. Oktober 2015

Heute morgen geht es erst mal zur Rezeption, um brav unsere Übernachtung zu bezahlen. Und mit ACSI-Karte ist das gar nicht mal so viel. Als ich zu Annette zurück­kehre, genießen wir erst einmal die Morgen­sonne auf unserer Terrasse und fangen so langsam an, Pläne für den Tag zu schmieden. Da es in der Rezeption eine sehr brauchbare Landkarte gab, können wir verschiedene Varianten durch­spielen. Bei allen wird uns aber irgendwie klar: Mal eben werden wir das hier nicht abhandeln können, zumindest, wenn wir es auch genießen wollen. Und immer größer wird auch die Lust, einfach noch einen weiteren Tag mit Terrasse und abgestelltem MoMo eine Basis für weitere Erkun­dungen zu haben. Also gehe ich noch einmal zur Rezeption, werde von einer grinsenden Madame begrüßt und verlängere für eine weitere Nacht. Und angeneh­mer­weise ist für ACSI-Kunden das WLAN kostenlos, wenn auch, wie sich nachher heraus­stellt, auch schne­cken­langsam. Aber alleine schon, um meine Freunde von SFR mal vergessen zu können, ist es eine Wohltat.

Und so schwingen wir uns gegen Mittag auf die Drahtesel, fahren ein Stück gen Norden und stoßen dann quer zum Port Rhu an der Cote Sauvage, der wilden Küste an der Westseite der Halbinsel. Der Ausblick hinunter auf smaragdgrün schim­merndes Meer, weiße Schaum­krönchen, goldgelben Sand und schroffe Felsen ist nicht weniger als grandios!

Wir haben eigentlich komplett unpas­sendes Wetter für diese wilde Küste, denn der Himmel könnte nicht blauer sein und der Wind weht aus Nordost. Keinerlei Dramatik, aber trotzdem schon so schön. Wir kommen aus dem Schwärmen gar nicht raus!

Am südlichen Strand im Gegen­licht der Sonne, sehen wir kleine schwarze Punkt im Meer und es sind tatsächlich Surfer, die sich vielleicht höhere Wellen wünschen, aber kein sonni­geres Wetter!

Wir beschließen also, weiter zu fahren und kommen nach kurzer Fahrt am Port Bara an, wo die ganzen Surfer zu Gange sind.

Und vielleicht ist es hier unten am Strand wirklich noch schöner. Die heran­brau­senden Wellen, die großen Steine am Rande, die wie Logen­plätze in einem Theater wirken, die Klippen als Abschluss dieses Bühnen­bildes. Perfekt!

Ich mache mich auf in Richtung der Klippen und gerate in einen wahren Fotogra­fie­r­ausch — und auch wenn ich mit den iPhone-Bildern von heute sehr zufrieden bin: Das sind wirklich Motive für die dicke Kamera!

Insbe­sondere die Surfer auf den Wellen­kämmen sind natürlich sehr fotogen, aber ohne Tele mit dem Handy auch nicht wirklich einzu­fangen. Da bleibt es halt bei kleinen Punkten…

Ist mir aber für den Moment völlig egal. Lediglich der Wunsch, noch länger hier zu bleiben, wird bei uns beiden immer größer. Viel schöner als hier und jetzt kann es wohl nicht werden!

Da passt es dann wie das Tüpfelchen auf dem i, dass sich auf dem Mini-Menhir am Strand­abgang eine Eidechse als Fotomodell sonnt.

Nichts­des­to­trotz fahren wir irgendwann weiter, denn wir wollen die Küste heute Richtung Süden erkunden. Und wir finden auch eine schöne Ecke nach der anderen, so dass wir irgendwann beschließen, nicht mehr an jedem Aussichts­punkt zu halten, damit wir auch noch eine realis­tische Chance haben, vor Sonnen­un­tergang wieder am MoMo anzukommen.

In der Zwischenzeit hat sich nämlich auch noch ein kleines Hüngerchen gemeldet, was wir gerne im Büdchen “Les Mouettes” am Beg er Goalennec mit Crepe und Galette ruhig­stellen. Der Kellner könnte zwar im Herrn der Ringe als Ork mitspielen und hat auch einen entspre­chenden rauen Charme, zeigt aber beim Bezahlen durch Mitsingen eines Chansons aus dem Radio auch seine musische Seite. Schräg!

Als nächstes erkunden wir Quiberon-City. Von dem, was wir in den Reise­führern gelesen haben, habe ich eigentlich keine großen Erwar­tungen. Halt eine Touri-Stadt, die vor allem dem Sommer­tou­rismus verschrieben ist. Aber auch wenn man merkt, dass die Saison vorbei ist, gefällt uns das Städtchen vielleicht gerade deswegen ganz gut. In Boulan­gerie und Carrefour decken wir uns mit Brot und Grillgut ein. Denn unseren Grill haben wir bisher ja noch gar nicht benutzt — geht gar nicht!

Und so geht es in entspanntem Tempo den restlichen Süd- und Südost­zipfel entlang wieder Heim zum Camping­platz. Mittler­weile kennen wir uns ja fast ein wenig aus.

Und bei einem Barbecue mit Würstchen und Tournedos geht der Tag dann zu Ende — leider nur viel zu schnell an der frischen Luft, da es heute abend doch merklich kälter als gestern ist. Um 8 Uhr sind wir dann trotz wärmender Decken so durch­ge­froren, dass wir uns im MoMo erst mal gründlich aufwärmen müssen. Aber wenn das unser einziger Grund zur Klage ist, soll uns das sehr, sehr recht sein!

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