Die Finger von Morbihan
9. Oktober 2015

Der Tag beginnt sportlich. Unser morgend­licher Rhythmus ist eigentlich immer gleich: Annette ist zuerst im Bad und während ich mich anschließend frisch mache, kümmert sie sich um das Frühstück. Ein einge­spieltes Team. Aber heute gibt Annette nach dem Duschen Alarm. “Die Leute gegenüber brechen auf!” Was das bedeutet, ist dem geneigten Leser von gestern klar: Es wird eine der wenigen Strom­an­schlüsse frei! Also springe ich, der Bettwärme nachtrauernd, im Schlaf­anzug aus dem MoMo, hole in Windeseile das Strom­kabel raus und sichere uns eine Strom­ver­sorgung für die mittler­weile doch recht runter­ge­rockten Akkus. Erste-Welt-Triumphe eines Wohnmo­bi­listen…

Da wir unseren Stell­platz für 24 Stunden bezahlt haben, ist noch bis zum späten Nachmittag Zeit, Strom zu tanken und vor allem: etwas zu erleben! Also schnüren wir die Schuhe und machen uns auf eine Wanderung entlang der Küsten­finger des Golf von Morbihan bei Arzon.

Der Weg führt entlang an wirklich netten breto­ni­schen Häuschen zur Küste, wo offen­sichtlich das Meer gerade Urlaub hat: Ebbe! Ein paar Schiffe dümpeln im Wasser und wir machen uns auf den Weg entlang des Küsten­pfades.

Die Beschreibung, dass hier ein mediter­ranes Klima herrscht, trifft voll ins Schwarze. Alles wirkt so, als wäre es gerne ein paar hundert Kilometer weiter südlich. Lediglich der Oktober sorgt mit perfekten Wander­tem­pe­ra­turen um die 16° dafür, dass wir zügig den ersten Zipfel der Küste erwandern.

Unter einem knorrigen alten Baum machen wir ein kleines Picknick und genießen die Aussicht. Es versteht sich fast von selbst, dass wir auch hier nahezu für uns alleine sind…

Nachdem wir den dritten Finger erfolg­reich umrundet haben, überlegen wir aber doch, ob wir den nächsten auch noch brauchen. Denn der Rückweg wird uns mitten durch den Ort führen und wir würden auch gerne heute noch ein bisschen weiter fahren. Also geht es zurück Richtung Stell­platz und wir stellen wieder mal fest, dass die Geschäfte in touris­ti­schen Gegenden wir dem Yacht­hafen fast alle geschlossen haben. Es ist halt überall eher tote Hose.

Zurück am MoMo müssen wir uns jetzt noch um die Ver- und Entsorgung kümmern, die merkwür­di­ger­weise am Straßenrand außerhalb des Stell­platzes erfolgt. Wir treffen dort auf ein nettes älteres Ehepaar aus Schottland. Zumindest verspricht das ihr Kennzeichen. Um so überraschter sind wir, dass sich beide auf deutsch unter­halten! Tatsächlich sind sie schon vor Jahren nach Schottland ausge­wandert und haben sogar ein Ferienhaus dort zu vermieten. Und diese einfache Inter­net­adresse konnte ich mir tatsächlich problemlos merken. www.schottland.com ist nun mal unschlagbar einfach! Und wenn das Häuschen so nett ist wie seine Besitzer und wir nicht per Wohnmobil unterwegs wären würde uns das ganze tatsächlich sehr reizen.

Jetzt machen wir uns auf die wahrscheinlich kürzeste Tages­etappe des Urlaubs: Bei France Passion habe ich einen Bauernhof in der Nähe des Chateau Suscinio entdeckt, der vielver­spre­chend klingt. Und in der Tat ist schon die Zufahrt durch eine dicht bewachsene Allee ein Traum, auch wenn wir uns um den Alkoven ein wenig sorgen. Der Stell­platz ist eine an allen Stellen leicht abschüssige Wiese, so dass wir mit den Keilen nachhelfen müssen, damit wir im Stehen nicht seekrank werden.

Wir melden uns am Lädchen beim Kuhstall schon mal an, werden aber auf die Öffnungszeit um 17 Uhr hinge­wiesen. Kein Problem, dann gibt’s halt erst mal ein Käffchen mit lecker Keksen im Freien und wir kommen endlich mal dazu, unseren kleinen Beistell­tisch einzu­weihen. Und das Ausruhen tut auch ganz gut…

Im Lädchen schlagen wir dann nach 17 Uhr zu. Das Problem bei all den lekceren Sachen in der Auslage ist eigentlich nur, sich zu beschränken und nicht einfach immer alles zu kaufen, was lecker sein könnte! Für heute sind es 3 Käse, Quark und Frucht­quark mit Brombeeren. Mjam!

Anschließend schwingen wir uns auf die Räder und fahren das kurze Stück zum Schloss. Es ist ein hübsch restau­rierter Bau, der noch n den 70ern eine absolute Ruine gewesen sein soll.

Wir beschließen, das recht überschaubare Stück zurück nach Sarzeau zu fahren, da wir noch kein Brot für unseren leckeren Käse und das morgige Frühstück haben und Annette einen Biobäcker an einem Kreis­verkehr entdeckt hatte. Also radeln wir durch die ländliche Szenerie  und genießen das warme Licht der Abend­stimmung. Absolutes Urlaubs­gefühl!

Beim Bäcker verstän­digen wir uns mal wieder mehr schlecht als recht, so dass der Bäcker aus seiner Backstube uns auf englisch die Nachfrage der Verkäu­ferin übersetzt. Wir haben vermutlich ein Dinkelbrot und ein Baguette erstanden…

Das Brot landet sofort auf unserem Abend­brot­tisch und mit unserem Sammel­surium der letzten Tage wird es ein echtes Festmahl!

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