Allez, allez!
3. Oktober 2015

Obwohl wir in den letzten Wochen nicht wirklich Zeit hatten, uns auf die Reise vorzu­freuen, ist die Lust aufs Wohnmo­bil­reisen nach wie vor groß. Das merken wir, als wir das MoMo am Freitag­mittag mittler­weile schon routi­niert für die Reise nach Fronkreisch packen. Kaum haben wir die MoMo-Tür geöffnet, riecht es förmlich nach Abenteuer und Lust aufs Entdecken von neuen Landschaften, Städten und Leuten.

Drei von diesen Leuten, die wir im Sommer in Schweden kennen­ge­lernt haben, wollen wir auf der ersten Etappe gerne besuchen. Und so nehmen wir nicht den “logischen” Weg über Belgien, sondern starten gen Trier. Das preis­werte Volltanken in Luxemburg nehmen wir billigend in Kauf…

Der Stau vor der Lever­ku­sener Brücke gehört zu einem Start in den Urlaub Richtung Süden/Westen ja fast schon dazu und wir fragen uns, ob das Stehen in diesem Stau schon so etwas wie Heimat­gefühl ist. Auf Stephans Empfehlung hin nehmen wir den Weg durch die Eifel und nicht über Koblenz, was sich auch als sehr relaxte Variante heraus­stellt. Durch sich langsam herbstlich färbende Wälder und bei strah­lendem Wetter cruisen wir entspannt in die alte Römer­stadt,

Die Wieder­se­hens­freude ist auf allen Seiten groß (auch Debbie und Mia freuen sich über das Wieder­sehen!) und nachdem wir erst mal das Haus mit dem riesigen Apfel­garten bewundert haben, werden wir auch noch aufs Leckerste verköstigt — wir sind schon sparta­ni­scher in einen Urlaub gestartet! Wir nehmen das Angebot, im Gäste­zimmer zu schlafen, gerne an. Auch wenn es sich fast schon frevle­risch anfühlt, das arme MoMo in der Nacht alleine zu lassen, sind wir froh, nicht in der starken Schräglage zu schlafen.

Wir starten dann sehr gemächlich mit gemüt­lichem Frühstück in den Tag und weil es einfach so nett ist, machen wir noch einen Spaziergang rund um den Weiher, auf dem uns Luna noch ihre Fahrrad­künste demons­triert.

Entspre­chend spät ist es, als wir aufbrechen, aber wir werten es als gutes Zeichen für entspanntes Reisen, dass wir uns dadurch gar nicht erst stressen lassen. Dann dauert es halt was länger, bis wir in der Bretagne sind!

Wir fahren auf der deutschen Mosel­seite bis Remich und sind von der Schlange an der Grenze und vom Tanktou­rismus durchaus beein­druckt, auch wenn wir aufgrund der Myriaden an Tankstellen nicht warten müssen, sondern sofort lostanken können: 0,97€/l ist ein durchaus überzeu­gendes Argument für einen Besuch in Luxemburg!

Unser nächstes Zwischenziel legen wir spontan fest: Metz ist die nächste größere Stadt in Frank­reich. Und da sich das für eine Mittags­pause mit Stadt­bummel anbietet, probieren wir die Stadt einfach mal aus. Und siehe da: Wir sind sehr angetan! Groß genug, um alles zu bieten, was wir uns wünschen, klein genug, damit die Parkplatz­suche nicht stressig wird. Und so finden wir einen Platz am nördlichen Innen­stadtrand und bummeln entlang der Mosel Richtung Stadt­mitte. Wir sind überrascht, wie gut uns die Stadt gefällt. Sehr entspannt und mit netten Geschäften rechts und links fühlen wir uns ausge­sprochen wohl.

Und nachdem wir bei einem Bäcker ein belegtes Baguette und eine Tarte Caramell erstanden haben, kümmern wir uns noch um die Inter­net­ver­sorgung für diesen Urlaub. Im Internet wurde mir Virgin­mobile empfohlen und prompt ist dies auch der erste Handy­laden, der uns über den Weg läuft. Schicksal! Und die freund­liche Verkäu­ferin kann sogar leidlich deutsch (mit dem genauso charmanten wie verwir­renden Überset­zungs­fehler “Verbrechen” für “forfait”, was wohl mit “Tarif” besser übersetzt wäre…). Sie verlangt also Perso (check!), Kredit­karte (check!) und eine IBAN (check!) für den 3GB-Tarif, den ich fürs Bloggen sicherlich brauche. Aber als ich meine EC-Karte hinlege, meint sie verwirrt, dass sie schon eine franzö­sische IBAN brauchte. Hä? Schon mal was von EU gehört? Aber auch ihre Kollegin schüttelt traurig den Kopf und verweist uns an die Konkurrenz. Sachen gibt’s…

Bei der Konkurrenz von SFR werden wir dann fündig. Aller­dings auch erst, nachdem die erste Verkäu­ferin auf meine Frage “Parlez vous anglais ou allemande?” mit einem “Ich frage mal einen Kollegen” verschwindet. Der freund­liche Gael kümmmert sich dann aber vorbildlich um alles, so dass wir bestens ausge­stattet den Laden wieder verlassen. Von den preis­werten Angeboten mit großem Inter­net­vo­lumen und Hochge­schwin­digkeit, mit denen wir in Schweden und Italien verwöhnt wurden, sind wir aber meilenweit entfernt. Warum das in den großen Ländern Frank­reich und Deutschland nicht möglich ist, verstehen wohl nur die Mobil­funk­un­ter­nehmen…

Egal! Wir genießen unser Mittag­essen in einem Park, der auch in Paris gefallen würde und finden überhaupt, dass Metz eine Miniausgabe von Paris ist. Es gibt nämlich tatsächlich ein Centre Pompidou und auch die Galeries Lafayette. Wir kommen gerne wieder!

Jetzt wollen wir aber doch noch ein paar Kilometer machen. Bis zum Sonen­un­tergang müssten wir es bis kurz vor Paris schaffen. Also gucken wir in unserem “France Passion”-Buch nach, was so ungefähr in Schlag­weite liegen könnte. Für alle Unein­ge­weihten: FP ist eine tolle Idee! Vornehmlich Bauernhöfe, aber auch z.B. Winzer können sich bei FP als Gastgeber regis­trieren, wenn sie Wohnmo­bi­listen kostenlose Übernach­tungs­plätze anbieten können. Im Gegenzug guckt man sich dann gerne das Hoflädchen an und kauft das eine oder andere leckere Gemüse. Oder Wein. Oder Käse. Oder Schnaps.

Wir finden einen Bauernhof in Beautheil, was ca. 50km vor Paris liegt. Perfekt! Also machen wir uns auf die Route gen Westen und folgen dem Ratschlag, dass die N4 nach Paris weitest­gehend autobahn­ähnlich ausgebaut sie und man sich so die Maut auf der etwas nördli­cheren A4 sparen könne. Und tatsächlich lässt es sich auf der weitest­gehend schnur­ge­raden Straße trefflich reisen. Bis auf eine Ortsdurch­fahrt (und kleinere Hausan­samm­lungen für die das Wort Dorf eine Übertreibung wäre) kommt man so ähnlich zügig wie auf einer Autobahn voran. Und das ganze mit keinem nennens­werten Verkehrs­auf­kommen und bei sonnigem Reise­wetter. Was wollen wir mehr?

Und pünktlich mit einem herrlichen Sonnen­un­tergang treffen wir an der Ferme an. Obwohl um halb acht das Lädchen schon geschlossen hat, kommt die freund­liche junge Bauersfrau aus dem Haus, als sie mich über den Innenhof irren sieht. Das Kärtchen in meiner Hand weist mich als France-Passi­onler aus und sie zeigt mir freundlich den Stell­platz für die Nacht. Und dann stehen wir an einem kleinen Bachlauf, genießen den leckeren Käse aus dem tollen Marche Couvert in Metz und fühlen uns in Frank­reich einfach sauwohl.

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