Ein glück­licher Fund
29. Juli 2015

Heute hat der Wetter­be­richt dann wirklich nicht gelogen. Düster und regne­risch geht unser letzter voller Tag in Schweden los. Aber da wir auf unserer “Muss noch gesehen werden”-Liste nichts mehr abzuhaken haben, können wir ganz entspannt damit umgehen.

Wir sind schon in Reich­weite von Trelleborg, so dass weites Fahren nicht mehr nötig ist. Auf der Strecke zur Fähre liegt Ystad, was für uns als Wallander-Banausen zwar keinen beson­deren Reiz ausübt, aber als Stadt durchaus nett sein soll. Also machen wir uns auf einen Schiet­wetter-Stadt­bummel gefasst.

Tatsächlich kommt aber auch heute wieder alles anders als erwartet. Aber, wie eigentlich immer in diesem Urlaub: besser!

Denn Ystad entpuppt sich als ausge­sprochen entspanntes Städtchen, in dem es sich prima bummeln lässt. So lassen wir uns ein bisschen treiben und entdecken grummelnd, dass es Annettes schicke Klamotten aus Fjäll­backa hier ebenfalls gibt. Aller­dings mit 30–50% Rabatt… Da sind wir fast schon erleichtert, dass es zwar die gleichen Sachen gibt, aber nicht mehr in Annettes Größe. Da ist der Ärger nicht mehr ganz so groß…

Wir haben uns vorge­nommen, ein letztes mal ein Dagens Rätt zu essen und klappern verschiedene Restau­rants ab, die uns aber entweder nicht gefallen, eher Kuchen anbieten oder selbst beim (eigentlich immer bezahl­baren) Mittags­tisch schon fürst­liche Preise aufrufen. Und wo geht man hin, wenn’s überall zu teuer ist? Natürlich zum Chinesen! In unserem Falle zwar ein Thai-Restaurant, aber mit dem, was man bei einem asiati­schen Mittags­buffet halt so erwarten darf. Und vor allem: Richtig läcker!

Bei leichtem Fissel­regen spazieren wir durch die Ystader (oder Ystädter? oder Ystadter? oder Ystadsche?) Fuzo und gucken links und rechts.

Auf einmal hört man Live-Musik! Um 14 Uhr? An einem Mittwoch? Der Sound, der ein bisschen an New Orleans erinnert, kommt aus einem schönen, alten Hinterhof, der uns natürlich magisch anzieht. Und während ich schnur­stracks hinein­spa­ziere, wird Annette von einer älteren Dame am Schla­fittchen gezogen und auf den fälligen Eintrittt hinge­wiesen. Denn wir sind durch absoluten Zufall bei der Auftakt­ver­an­staltung des diesjäh­rigen Ystad-Jazzfes­tivals gelandet. Und wie mir das Internet später verrät, hören wir die Rad Trads und der Hof gehört zu Per Helsas Gård. Da uns in diesem Falle das Hören reicht, kehren wir um und erkunden die Geschäfte in dem großen alten Gebäude. Verrück­ter­weise kann man von einem Geschäft das Konzert quasi von hinten erleben!

Wir schlendern noch ein bisschen durch die Gassen und bewundern die schöne Bepflanzung und die netten Häuser rund um das Kloster. Dann wird es aber Zeit, die arme Mia, die wir im MoMo zurück­ge­lassen haben, zu erlösen.

Es geht weiter auf der Straße 9, die uns immer mit Meerblick Richtung Trelleborg lotst. Wir haben vorab diverse Stell­plätze ausge­kund­schaftet und haben uns vorge­nommen, denje­nigen zu nehmen, der uns am besten gefällt. Und rein theore­tisch sind alle gut, die wir sehen. Das Meer immer in Spuck­weite. Aber dann gefällt uns an dem einen nicht, dass er ungeschützt an einer Kreuzung liegt, der nächste ist kosten­pflichtig, bietet aber nicht mal Strom und Entsorgung. Und so landen wir schließlich kurz vor Trällerborg auf einem menschen­ver­las­senen großen Platz hinter einer Düne direkt am Meer. Total ruhig, windge­schützt und wir sind hier mutter­see­lensolo. Und da es mal wieder etwas regnet, genießen wir das muckelige MoMo, trinken Kaffee und warten ab.

Und man muss wie immer nur ein bisschen warten und schon scheint wieder die Sonne. Und so brechen wir zu einem Spaziergang auf und genießen den (schmalen) Strand, den wir ganz für uns allein haben.

Ein gutes Stückchen von unserem Platz entfernt entdeckt Annette plötzlich eine Stelle oberhalb der Dünen, die wie für einen Stell­platz gemacht ist. Und der dort liegende Stein­kreis mit Kohle­resten beweist, dass andere das offen­sichtlich auch schon fanden und dort gegrillt haben. Denn der Platz befindet sich am Ende einer Stich­straße, die von der Haupt­straße abgeht. Und es gibt keine “Förbjuden” oder “Privat”-Schilder. Sollen wir…?

Ein bisschen mulmig ist uns ja schon, aber da der alte Platz völlig überfüllt ist (es ist *ein* (natürlich deutsches) Womo hinzu­ge­kommen…), brechen wir auf. Was soll schon schief gehen?

Als wir zu unserem Fundplatz abbiegen, kommt uns prompt die Polizei entgegen. Na, das kann ja heiter werden! Aber der Polizei ist unser Abbiegen völlig schnurzegal und so stehen wir wenige Augen­blicke später auf einem 360°-Panorama-Luxusstellplatz. Genial!

Im Laufe des Abends kommen noch ein paar Spazier­gänger, Hunde­run­den­gänger und Jogger an uns vorbei und werfen natürlich inter­es­sierte, aber nicht unfreund­liche Blicke. Schon bald sind wir aber wirklich alleine und genießen noch dazu einen wunder­baren Sonnen­un­tergang. Besser hätten wir unseren letzten Abend in Schweden gar nicht planen können!

Bei Einbruch der Dunkelheit dann noch mal eine Überra­schung: Neben uns steht auf einmal noch ein Womo! Ein junges Pärchen, dass von der Fähre kommend seinen Schwe­den­urlaub gerade erst beginnt, hat uns von der Straße gesehen und ist spontan abgebogen. Meine Sorge, dass ich morgen früh eventuell nicht wegkomme, wenn wir zur Fähre müssen, erweist sich als unbegründet. Es sei denn, es kommt noch Womo Nr.3!

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