Über Stock und Stein
25. Juli 2015

Im Gegensatz zu den gestrigen Morgenden hat sich Petrus was Neues einfallen lassen. Der Himmel ist gleich­mäßig grau und rings um uns ist es trist. Ob das der Grund ist, dass im Laufe des Morgens fast alle unsere Womo-Nachbarn ebenfalls abfahren? Uns zumindest wird der Abschied von unserer Camping­platz-Entde­ckung des Jahres dadurch sehr erleichtert. Nachdem das MoMo wieder von allen Abwässern befreit ist und wir (mit dem falschen Schlauch) neues Trink­wasser nachge­füllt haben, geht es endlich wieder auf Tour. Unsere mittler­weile routi­nierten Handgriffe sitzen zwar nach wie vor, aber es fühlt sich nach so einer langen Standzeit trotzdem komisch an, wieder Asphalt unter den Reifen zu haben.

Und weil die schwe­di­schen Verkehrs­ex­perten das auch so sehen, führt uns (entgegen des Rats unseres Navis) ein Schild Richtung Glaskogen auf eine unbefestige Holper­strecke. Das Navi protes­tiert zwar auf den nächsten 10km immer wieder und möchte uns liebend gerne wieder auf die gut ausge­baute Asphalt­straße führen, aber wir bleiben hart. Warum ist eigentlich noch niemand auf die Idee gekommen, dem Navi eine künst­liche Intel­ligenz zu verpassen, dass nach der dritten missach­teten Anweisung sich der Tonfall langsam aber sicher ins ungemüt­liche bewegt? Wäre im echten Leben doch auch so!

Tatsächlich kommen wir auf der offizi­ellen Route, wenngleich auch mit dem einen oder anderen Schlagloch schneller ans Ziel als vorge­sehen. Wir erreichen Lenungs­hammar, den zentralen “Ort” des Natur­re­servats und sind überrascht, dass sich an dieser Stelle dann doch so einige Autos knubbeln. Da am Infopunkt zunächst kein Parkplatz frei zu sein scheint, wenden wir und fahren brav zum 100m weiteren Extrapark­platz.  Wir finden dort auch einen Platz fürs MoMo, aber als wir das Hinweis­schild lesen, dass dort in der letzten Zeit vermehrt Aufbrüche passiert seien, sind wir mit dem Platz auf einmal doch nicht mehr so einver­standen. Dann doch lieber da, wo die Leute sind! Und tatsächlich finde ich einen Platz direkt vor der Park-Info. Da wird wohl nix passieren.

In der Info erkundige ich mich nach eher kurzen 2–3‑Stunden-Wanderungen, da für den frühen Naach­mittag ergie­biger Regen angekündigt ist. Das freund­liche Mädchen an der Info zeigt mir Möglich­keiten auf einer DIN-A5-großen Karte, die ich auch gerne für 30 Kronen kaufen könne. “Ist ja kein Geld” denke ich und zahle willig, bis mir dann im MoMo aufgeht, dass ich gerade ein (nicht mal besonders hilfreiches) Blatt Papier für 3€ gekauft habe. Meine schnelle Kopfum­rechnung hatte 30ct ergeben…

Wir suchen uns auf der Karte den mittel­langen Weg aus, der mit einem Teil am See entlang und einem Aussichts­punkt auf dem Rückweg sehr viel verspre­chend aussieht. Frohgemut machen wir uns mit der neuen Karte als einziger Referenz auf den Weg — Comviq zeigt mal wieder “Kein Netz” an. Dumm nur, dass der Weg auf dem ersten Teil so ungefähr gar nicht markiert ist. Da gehen wir dann eher nach Intuition und folgen der Forst­straße, die von der Haupt­straße abgeht.

Und die Strecke hält von dem, was sie auf der Karte verspricht, leider gar nichts. Der Forstweg ist todlang­weilig, aber wenigstens macht man ordentlich Strecke — er ist ja breit und zu sehen gibt es gar nichts, weil der Blick auf den See entweder völlig oder größten­teils von Bäumen verdeckt wird.

Und gegen Ende des Forst­weges tauchen dann doch orange markierte Holzstecken auf, die wir mal als Wegweiser inter­pre­tieren. Womit wir auch Recht haben. Denn es geht endlich in die Natur neben der Straße. Aber entweder sind wir verwöhnt von dem, was wir bisher erlebt haben oder übersättigt: Der Funke will einfach nicht überspringen.

Bäume, Bäume, Bäume um uns herum. Neben uns Blåbären, Blåbären, Blåbären. Und auf dem Weg Wurzeln. Oder Steine. Oder Wurzeln. Oder moorige Stellen, die mit Planken überquert werden. Oder Steine. Bergauf. Bergab. Bergauf. Dann wieder Blåbären, Flechten, Blåbären, Flechten. Steine. Wurzeln. Und bei alldem: Keine Aussicht. Und da man nicht stolpern oder ausrut­schen will, gilt: Blick nach unten. Was ist da? Richtig: Wurzeln. Oder Steine.

Das war sicherlich nicht die tollste Wanderung, die wir in diesem Urlaub gemacht haben. Und wir haben sogar noch Glück gehabt: Der angekün­digte Regen setzt erst ein, als Annette im MoMo die Blåbären-Dickmilch angerührt hat. Also gucken wir uns den Tröpfel­regen von drinnen an… Schade, vom Glaskogen hatten wir uns dann doch deutlich mehr versprochen.

Anschließend machen wir uns (verglichen mit den letzten Wochen) auf eine richtig lange Etappe: Es soll jetzt doch schon mehr in Richtung Süden gehen. Aber volle Pulle dann doch nicht, weil wir noch den Tiveden-Natio­nalpark besuchen wollen, der mit seiner Lage zwischen den großen Seen Vänern und Vättern eine gute Zwischen­station abgibt. Der angekün­digte Regen hat einge­setzt und so fahren wir durch schier unend­liche Waldstrecken, die aber bei dem Wetter eher trist wirken. Bitte jetzt nicht auch noch ein Elch, der auf die Straße läuft! Man rechnet in dieser einsamen Wildnis unwill­kürlich damit, dass es demnächst doch passiert.

Aber wir kommen elchfrei an unserem Ziel an: Einem freien Stell­platz aus dem Schulz-Womo-Führer. Und obwohl auf den ganzen letzten Kilometern kein Auto unterwegs zu sein schien: Am kleinen Stell­platz für 2 Wohnmobile stehen schon 3 — natürlich alles Deutsche. Unverzagt fahren wir weiter, denn auf der Strecke (wieder mal unbefestigt) gibt es so viele kurz aufein­ander folgende Ausweich­stellen, dass wir nur mit gering­fügig schlechten Gewissen eine davon zum MoMo-Stell­platz umfunk­tio­nieren. Und da in den folgenden Stunden kein einziges Auto an uns vorbei­kommt, scheint das auch die richtige Entscheidung gewesen zu sein…

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Schweden Sommer 2015
Finale

Finale

Wie es eine Rückreise (und Heimkehr) so mit sich bringt, bleibt auf einmal nur noch wenig Zeit zum Bloggen - sicheres Zeichen dafür, dass der Urlaub zu Ende ist. Danke an alle, die schon besorgt nachgefragt haben, ob etwas passiert sei! So here's what happened, mit...

Ein glück­licher Fund

Ein glück­licher Fund

Heute hat der Wetterbericht dann wirklich nicht gelogen. Düster und regnerisch geht unser letzter voller Tag in Schweden los. Aber da wir auf unserer "Muss noch gesehen werden"-Liste nichts mehr abzuhaken haben, können wir ganz entspannt damit umgehen. Wir sind schon...

Runde Steine

Runde Steine

Unsere Planung für die letzten Tage in Schweden ist sehr simpel: Den im Wetterbericht angekündigten (mehr oder weniger) Dauerregen hinnehmen und das beste draus machen. Das hatten wir erwartet. Es sah dann heute morgen so aus: Und nur, weil ich zu faul war, Stühle und...

Von Moor zu Meer

Von Moor zu Meer

Die Wetteraussichten haben sich leider nicht verbessert, so dass für heute und auch die kommenden Tage bis zur Abfahrt jeden Tag mit Regen zu rechnen sein wird. Wir beschließen daher, die 4-Stunden-Wanderung  im Store Mosse-Park zu canceln und stattdessen das...

50 shades of green

50 shades of green

Als wir aufwachen und einen ersten Blick nach draußen werfen sieht der See im Morgennebel total verwunschen aus. Ein toller Anblick! Wir wollen heute den Morgen ausgiebig zum Wandern nutzen, denn ab Mittags soll der Regen wieder stärker werden. Geplant ist die...

Heiß und kalt

Heiß und kalt

Heute wird die Nichtstuerei mit Seeblick wenigstens durch etwas Aktivität unterbrochen. Den ursprünglichen Plan, heute mit einem Kanu über den Stora Bör zu paddeln, geben wir auf. Obwohl ich noch zuversichtlich bin, als ich sehe, dass es auch Kajaks zu mieten gibt,...

Ambitio­niertes Nichtstun

Ambitio­niertes Nichtstun

Der heutige Tag ist mit akuter Faulenzeritis so ziemlich exakt beschrieben und weggebloggt... Lediglich abends mache ich mich in der Hoffnung auf einen weiteren spektakulären Sonnenuntergang auf den Weg runter an den See. Aber: Da war nichts. Keine leuchtenden Farben...

Angekommen

Angekommen

Heute gibt es in der Tat nicht viel zu berichten. Wir haben das Gefühl, angekommen zu sein. Die Lage des Platzes am See ist wirklich ideal, wir sitzen auf unserer "Aussichtsterrasse" und frühstücken zunächst im Sommeroutfit, wegen des böigen Windes später aber dann...

Lohnende Umwege

Lohnende Umwege

Pünktlich um 8 Uhr setzt der vorhergesagte Ganztagsregen ein. Logische Konsequenz: Wir drehen uns noch einmal im kuscheligen Alkoven um und verpennen den Anfang des Tages. Das ganze folgt natürlich einem ausgetüftelten Masterplan. Denn unser Frühstück besteht heute...

Hinsetzen und Chillen

Hinsetzen und Chillen

Heute wachen wir erstaunlich früh auf und genießen den Luxus der warmen Dusche ohne Zeitlimit und 5-Kronen-Stücke nachwerfen. So ist der Start in den Tag doch gleich viel schöner! Annette amüsiert sich königlich darüber, dass ich zum Aufbruch dränge, da laut Fahrplan...

Wandern im Urwald

Wandern im Urwald

Heute morgen erwägen wir doch tatsächlich, die Heizung anzustellen, weil die Temperaturen sich doch eher um die 14 Grad bewegen und es auch im MoMo entsprechend abgekühlt ist. Aber nach dem ersten bisschen Bewegung und einem köstlichen Blaubeerpfannkuchen wird uns...

Blåbären im Kynnefjäll

Blåbären im Kynnefjäll

Mensch, was hat das in der Nacht gestürmt! Wir haben unser Dachfenster im Alkoven sicherheitshalber mal geschlossen, weil der Wind so sehr dran gezerrt hat, dass uns das schon kritisch vorkam. Da es in der Nacht auch geregnet hat, sind wir schon darauf eingestellt,...