Blåbären im Kynnefjäll
18. Juli 2015

Mensch, was hat das in der Nacht gestürmt! Wir haben unser Dachfenster im Alkoven sicher­heits­halber mal geschlossen, weil der Wind so sehr dran gezerrt hat, dass uns das schon kritisch vorkam. Da es in der Nacht auch geregnet hat, sind wir schon darauf einge­stellt, einen eher regne­risch-wolkigen Tag vor uns zu haben. Aber tatsächlich ist der größte Teil des Himmels blau. Nette Überra­schung! Dafür halt stürmisch, so dass die Sonne nicht wirklich dazu kommt, zu wärmen.

Wir beschließen, unsere gestern nicht getätigten Einkäufe nachzu­holen. Daher bekommt Annette ihr Outfit aus dem Schweden-Shop und ich kaufe mir die Stetson-Mütze, mit der ich gestern im coolen Hutge­schäft(!) von Fjäll­backa schon gelieb­äugelt hatte. Prompt fällt mir noch ein weiterer Hut ins Auge (Marke Heisenberg, für alle Breaking-Bad-Fans…), den ich mir auch gut vorstellen könnte. Neues Hobby…?

Schließlich verlassen wir aber endgültig die Schären­küste von Bohuslän und es geht landein­wärts ins Dalsland. Über schmale Sträßchen führt uns der Weg ins Kynnefjäll. Unser erstes Fjäll! Wobei es für ein “Hochland oberhalb der Nadel­wald­grenze” (Wikipedia) dann aber doch erstaunlich viele Kiefern gibt…

Wir haben in einem Reise­führer eine Wanderung gefunden, die 2,5 Stunden dauern soll und Annette traut sich das mit Wander­schuhen jetzt schon wieder zu. Und da der Fuß auch nicht mehr wie ein Hobbitfuß ohne Haare aussieht, wagen wir uns auf den Rundweg.

Zunächst geht es wenig attraktiv auf der geschot­terten Forst­straße, auf der wir angekommen sind, los. Erst, als wir das Ende der Straße erreichen und auf schmalen Wegen in den Wald vordringen, gibt es wieder das urige Skandinavien-Wanderfeeling.

Auf dem gut gekenn­zeich­neten Weg kann man sich unmöglich verlaufen, denn die nächste Kennzeichnung befindet sich nicht nur in Sicht­weite, sondern eher schon in Spuck­weite. Toll gemacht!

Es geht durch schöne, kniehohe Grasbü­schelwege vorbei an den Birken­wäldchen, die im Zweifelsfall an einem ebenso pitto­resken See zu finden sind. Ein herrlicher Anblick.

Auf der Anhöhe des Vaktare­kullen befindet sich eine Übernach­tungs­hütte für Wanderer, die mit allem ausge­stattet ist, was der müde Wanderer braucht. Das ist bestimmt auch ein dolles Erlebnis, dort oben die Nacht zu verbringen. Super!

Wir machen unsere Mittags­pause an dem Banktisch, der dort natürlich an der Lager­feu­er­stelle nicht fehlen darf und genießen unsere mit Hagel­zucker bestreuten Hefeballen vom Bäcker aus Fjäll­backa. Lekker!

Auf dem folgenden Stück laufen verschiedene Wanderwege, so z.B. der durch die gesamte Region führende Bohus­leden ein Stück weit zusammen. Was uns eine sehr farben­frohe Wegmar­kierung beschert. Chic!

Am Aussichts­punkt über den Stora Holme­vatten steht eine halboffene Windschutz­hütte mit Feuer­stelle und auch hier mit ein paar Vorräten für Wanderer, deren Vorrats­haltung nicht so ganz geklappt hat.

Und unter uns der See, der am gesamten Ufer völlig unberührt vor uns liegt. Da der Wind immer noch die Wolken übers Land treibt, beobachten wir ein ständiges Wechsel­spiel von Licht und Schatten und können sehen, wie sehr der Wind über den See fegt — das wäre definitiv kein Spaß mit dem Kanu!

Der Rückweg zieht sich dann ganz schön, denn man muss gut acht geben, wo man tritt, damit man nicht auf einer Wurzel oder einem Stein umknickt oder auf einmal im sumpfigen Morast steckt. Sehr abwechslungsreich!

Als Annette an einer Stelle noch Fotos macht, gehe ich schon mal vor. Und höre hinter mir das Klimpern von Mia an der Hunde­leine. Und unter­halte mich mit Annette über den spannenden Weg, der oft mit morschen Holzplanken morastige Stellen überbrückt. Ob die Dinger wohl uns noch aushalten? Als ich mich umdrehe, weil sie schon seit einiger Zeit nicht antwortet, habe ich nur den Hund vor mir, der seine Leine hinter sich herzieht und mich treu anguckt. Von Frauchen keine Spur! Schnell drehen wir um, ich rufe laut, aber niemand antwortet. Sie wird doch nicht schon wieder umgeknickt sein? Wir finden Annette schließlich fast an der Stelle wieder, wo sie einen See fotogra­fiert hat. Natürlich auch sie in Aufregung, da sie vor lauter Fotogra­fieren nicht mehr auf uns geachtet hatte und auch nicht mehr auf Mias Leine stand, die sie zum besseren Knipsen auf den Boden gelegt hatte. Puh! Und zu allem Überfluss stehen wir auch noch in einer Ameisen­straße und Annette und Mia werden prompt von diesen Riesen­vie­chern gebissen. Das ist anscheinend auch sehr schmerzhaft, denn Mia führt komische Tänze auf und reibt sich abwech­selnd ihre Nase an einem Grasbü­schel und leckt ihre Pfote. Armer Hund!

Auf dem weiteren Weg geht es noch munter über diverse morsche Bretter, mit mehreren dünnen Birken­ästen gebaute, wenig vertrau­en­er­we­ckende Brücken oder auch mal durch sehr “saftiges” Moos — gut, dass wir Wander­schuhe haben! Am Ende unserer Tour haben wir statt der verspro­chenen 2,5 Stunden eine satte Stunde mehr gebraucht (okay, zugege­be­ner­maßen mit Pause). Und Annettes Fuß möchte jetzt dann doch gerne eine Pause haben, auch wenn er tapfer durch­ge­halten hat.

Bei einem verdienten Kaffee­trinken mit Zimtschnecken fassen wir den Entschluss, einfach auf dem Wander­park­platz stehen zu bleiben. Denn hier “in the middle of nowhere” lässt es sich ganz gut und beruhigt für eine Nacht stehen und außerdem wollten wir ja auch noch Blaubeeren pflücken, die hier rund um den Parkplatz in rauen Mengen wachsen.

Aus den Blaubeeren zaubert Annette dann noch einen Schlemmer-Blåbär-Quark, der gemeinsam mit dem leckeren Walnussbrot aus der Bäckerei unser Abend­essen darstellt.

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