Blåbären im Kynnefjäll

Mensch, was hat das in der Nacht gestürmt! Wir haben unser Dachfenster im Alkoven sicherheitshalber mal geschlossen, weil der Wind so sehr dran gezerrt hat, dass uns das schon kritisch vorkam. Da es in der Nacht auch geregnet hat, sind wir schon darauf eingestellt, einen eher regnerisch-wolkigen Tag vor uns zu haben. Aber tatsächlich ist der größte Teil des Himmels blau. Nette Überraschung! Dafür halt stürmisch, so dass die Sonne nicht wirklich dazu kommt, zu wärmen.

Wir beschließen, unsere gestern nicht getätigten Einkäufe nachzuholen. Daher bekommt Annette ihr Outfit aus dem Schweden-Shop und ich kaufe mir die Stetson-Mütze, mit der ich gestern im coolen Hutgeschäft(!) von Fjällbacka schon geliebäugelt hatte. Prompt fällt mir noch ein weiterer Hut ins Auge (Marke Heisenberg, für alle Breaking-Bad-Fans…), den ich mir auch gut vorstellen könnte. Neues Hobby…?

Schließlich verlassen wir aber endgültig die Schärenküste von Bohuslän und es geht landeinwärts ins Dalsland. Über schmale Sträßchen führt uns der Weg ins Kynnefjäll. Unser erstes Fjäll! Wobei es für ein „Hochland oberhalb der Nadelwaldgrenze“ (Wikipedia) dann aber doch erstaunlich viele Kiefern gibt…

Wir haben in einem Reiseführer eine Wanderung gefunden, die 2,5 Stunden dauern soll und Annette traut sich das mit Wanderschuhen jetzt schon wieder zu. Und da der Fuß auch nicht mehr wie ein Hobbitfuß ohne Haare aussieht, wagen wir uns auf den Rundweg.

Zunächst geht es wenig attraktiv auf der geschotterten Forststraße, auf der wir angekommen sind, los. Erst, als wir das Ende der Straße erreichen und auf schmalen Wegen in den Wald vordringen, gibt es wieder das urige Skandinavien-Wanderfeeling.

Auf dem gut gekennzeichneten Weg kann man sich unmöglich verlaufen, denn die nächste Kennzeichnung befindet sich nicht nur in Sichtweite, sondern eher schon in Spuckweite. Toll gemacht!

Es geht durch schöne, kniehohe Grasbüschelwege vorbei an den Birkenwäldchen, die im Zweifelsfall an einem ebenso pittoresken See zu finden sind. Ein herrlicher Anblick.

Auf der Anhöhe des Vaktarekullen befindet sich eine Übernachtungshütte für Wanderer, die mit allem ausgestattet ist, was der müde Wanderer braucht. Das ist bestimmt auch ein dolles Erlebnis, dort oben die Nacht zu verbringen. Super!

Wir machen unsere Mittagspause an dem Banktisch, der dort natürlich an der Lagerfeuerstelle nicht fehlen darf und genießen unsere mit Hagelzucker bestreuten Hefeballen vom Bäcker aus Fjällbacka. Lekker!

Auf dem folgenden Stück laufen verschiedene Wanderwege, so z.B. der durch die gesamte Region führende Bohusleden ein Stück weit zusammen. Was uns eine sehr farbenfrohe Wegmarkierung beschert. Chic!

Am Aussichtspunkt über den Stora Holmevatten steht eine halboffene Windschutzhütte mit Feuerstelle und auch hier mit ein paar Vorräten für Wanderer, deren Vorratshaltung nicht so ganz geklappt hat.

Und unter uns der See, der am gesamten Ufer völlig unberührt vor uns liegt. Da der Wind immer noch die Wolken übers Land treibt, beobachten wir ein ständiges Wechselspiel von Licht und Schatten und können sehen, wie sehr der Wind über den See fegt – das wäre definitiv kein Spaß mit dem Kanu!

Der Rückweg zieht sich dann ganz schön, denn man muss gut acht geben, wo man tritt, damit man nicht auf einer Wurzel oder einem Stein umknickt oder auf einmal im sumpfigen Morast steckt. Sehr abwechslungsreich!

Als Annette an einer Stelle noch Fotos macht, gehe ich schon mal vor. Und höre hinter mir das Klimpern von Mia an der Hundeleine. Und unterhalte mich mit Annette über den spannenden Weg, der oft mit morschen Holzplanken morastige Stellen überbrückt. Ob die Dinger wohl uns noch aushalten? Als ich mich umdrehe, weil sie schon seit einiger Zeit nicht antwortet, habe ich nur den Hund vor mir, der seine Leine hinter sich herzieht und mich treu anguckt. Von Frauchen keine Spur! Schnell drehen wir um, ich rufe laut, aber niemand antwortet. Sie wird doch nicht schon wieder umgeknickt sein? Wir finden Annette schließlich fast an der Stelle wieder, wo sie einen See fotografiert hat. Natürlich auch sie in Aufregung, da sie vor lauter Fotografieren nicht mehr auf uns geachtet hatte und auch nicht mehr auf Mias Leine stand, die sie zum besseren Knipsen auf den Boden gelegt hatte. Puh! Und zu allem Überfluss stehen wir auch noch in einer Ameisenstraße und Annette und Mia werden prompt von diesen Riesenviechern gebissen. Das ist anscheinend auch sehr schmerzhaft, denn Mia führt komische Tänze auf und reibt sich abwechselnd ihre Nase an einem Grasbüschel und leckt ihre Pfote. Armer Hund!

Auf dem weiteren Weg geht es noch munter über diverse morsche Bretter, mit mehreren dünnen Birkenästen gebaute, wenig vertrauenerweckende Brücken oder auch mal durch sehr „saftiges“ Moos – gut, dass wir Wanderschuhe haben! Am Ende unserer Tour haben wir statt der versprochenen 2,5 Stunden eine satte Stunde mehr gebraucht (okay, zugegebenermaßen mit Pause). Und Annettes Fuß möchte jetzt dann doch gerne eine Pause haben, auch wenn er tapfer durchgehalten hat.

Bei einem verdienten Kaffeetrinken mit Zimtschnecken fassen wir den Entschluss, einfach auf dem Wanderparkplatz stehen zu bleiben. Denn hier „in the middle of nowhere“ lässt es sich ganz gut und beruhigt für eine Nacht stehen und außerdem wollten wir ja auch noch Blaubeeren pflücken, die hier rund um den Parkplatz in rauen Mengen wachsen.

Aus den Blaubeeren zaubert Annette dann noch einen Schlemmer-Blåbär-Quark, der gemeinsam mit dem leckeren Walnussbrot aus der Bäckerei unser Abendessen darstellt.

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