Trollywood ruft
12. Juli 2015

Nach so viel Einsamkeit sind wir bereit, wieder in die Zivili­sation zurück­zu­kehren. Wir beschließen die Schären erstmal Schären sein zu lassen und Annettes Fuß zuliebe erst mal nach Troll­hättan zu fahren. Wir lassen uns vom Navi lotsen, was angeneh­mer­weise ja auch ohne Internet funktio­niert. Und das ist auch gut so, denn wir fahren noch lange, richtig lange durch den Svarte­dalen auf der schönen Holper­strecke. Als wir dann wieder festen Asphalt unter den Rädern haben, kommt schon bald die Autobahn nach Troll­hättan, die wir aber prompt verpassen und statt­dessen auf der genau parallel verlau­fenden Landstraße unterwegs sind. So viele Fahrbahnen für so wenig Autos!

In Troll­hättan erleben wir dann den Malmö-Effekt: Angeblich große Stadt, in der aber Verkehr praktisch ohne Autos statt­findet. Den Camping­platz kundschaften wir schon mal aus, befinden ihn für gut, kaufen aber zuvor noch mal im ICA ein, um unsere geschmol­zenen Vorräte aufzu­füllen. Unsere anschlie­ßende Fahrt zur alten Schleuse hätten wir uns hingegen sparen können, da es keinerlei Parkmög­lichkeit für Womos gibt. Sah für unseren Geschmack bis dahin aber auch nicht so drama­tisch sehenswert aus, dass wir das Gefühl haben, etwas zu vermissen.

Der wirklich sehr zentral gelegene, nette Camping­platz bietet mehr als genug freie Stell­plätze und wir einigen uns in absoluter Rekordzeit auf unseren Stell­platz. Ein geräu­miger Rasen­platz, Strom und sogar bei leicht hervor­lu­gender Sonne Gelegenheit, endlich mal die Markise auszu­fahren. Wir richten uns also erst mal häuslich ein, bevor wir dann, Wunder über Wunder, zu Fuß in die Stadt gehen, weil Annette immer brav gesalbt, geruht und gekühlt hat. Und tatsächlich wird ihr Gang auf dem Weg sogar fast schon flüssig und weniger humpelnd. Gut so!

Das feiern wir im Restaurant Strand­gatan, wo es angeblich besonders leckere Zimtschnecken geben soll. Und dies können wir hiermit ausdrücklich bestä­tigen und sogar brauch­baren Cappucino kann man auf der Terrasse direkt am Kanal genießen. Empfehlung!

Da Annette in einem Reise­führer gelesen hat, dass Troll­hättan das Trollywood Schwedens ist, weil dort so viele Filme gedreht würden und sogar einen Walk of Fame habe, gucken wir uns diesen pflicht­schul­digst an. Vielleicht aber auch nur, weil er halt eine Straße weiter ist. Und sind jetzt nicht sooo beein­druckt: Eine eher runter­ge­kommene (zumindest nicht sehens­werte) stink­normale Einkaufs­straße, wo halt alle paar Meter statt der normalen Pflas­ter­steine so ein dösiger Stern einge­lassen ist.

Den Rückweg zum Camping­platz treten wir dann über das gegen­über­lie­gende Ufer des Göta Älv-Kanals an. Hier sind kleine Inselchen im Kanal durch Brücken verbunden und als sehr schönes Naherho­lungs­gebiet inklusive wunder­barem Kinder­spiel­platz ausgebaut. Doll gemacht!

Das beein­dru­ckendste ist jedoch die Hubbrücke, die wir in Aktion erleben dürfen. An den 4 Türmen wird der Mittelteil samt Eisen­bahn­schienen auf eine Höhe von 27 Metern empor­ge­hoben, damit die Schiffe passieren können. Beein­dru­ckend!

Annettes Fuß hat diesen “langen” Spaziergang erstaunlich gut überstanden, möchte aber jetzt doch ein bisschen hochgelegt und betüddelt werden. Wir tun ihm den Gefallen! Für den Abend lassen wir das Schinken-Orakel entscheiden: Wenn der Kochschinken, den wir aus Deutschland mitge­bracht haben und der schon leicht übers Verfalls­datum ist, tatsächlich schlecht ist, gehen wir noch mal ins Strand­gatan (weil auch die herzhaften Gerichte lecker aussahen!), wenn er noch genießbar ist, gibt es Tortellini alla panna. Wir haben die Tortellini genossen!

Abends bestaunen wir noch die Zeltauf­bau­künste eines hollän­di­schen Pärchens, die ganz Old-School-mäßig ein Stoffzelt aufbauen, jede Stange ganz exakt ausrichten und auch ihre Schlaf­säcke nach alter india­ni­scher Tradition 6‑mal von der einen Seite und 6‑mal von der anderen Seite rhyth­misch ausschlagen. Leute gibt’s!

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