Voll entschleunigt
11. Juli 2015

Wir wachen gründlich ausge­schlafen auf und stellen fest, dass wir im Schwe­den­modus angekommen sind. Es ist schon 9 Uhr! Wir genießen den Blick auf den See, der bei fast völliger Windstille friedlich in der Sonne liegt. Ein guter Start in den Tag.

Da Annette brav ihren Fuß pflegt und im Gegensatz zu den letzten Tagen jetzt schon das Tempo einer Rennschnecke erreicht, bleibt der Hunde­s­pa­ziergang mir überlassen. Ich stiefel also mit Mia los, um mal in Richtung des Lagers auf der anderen Seeseite zu kommen. Am Wegesrand hatten wir gestern schon die Überreste eines offen­sichtlich ausge­brannten Autos bestaunt. Heute gehe ich den Abzweig entlang, an dem diese Überreste liegen, Es geht zunächst steil bergauf und auch auf diesem Weg erfreue ich mich wieder an der schwe­di­schen Wildnis. Immerhin gibt es aber diesen offen­sicht­lichen Wanderpfad, denn ansonsten wäre ich rettungslos verloren. Denn mein Weg führt gar nicht zum See zurück, sondern immer weiter in die Wälder hinein. Und immer wenn ich denke, dass ich am Horizont einen Teil des Sees gesehen habe, ist es am Ende doch wieder etwas völlig anderes.

Mia findet das ganze aber super und ist ganz in ihrem Element. Und als schließlich ein paar Meter vor uns ein Reh das Weite sucht, ist sie kaum noch zu halten. Gut, dass ich sie an der Leine habe! Als ich fast schon frustriert umkehren will, wird aus dem Weg plötzlich eine etwas breitere Piste. Und der Blick weitet sich auf eine Pferde­weide mit Isländern. Nett!

Ich beschließe trotzdem, dass mein Erkun­dungsweg hier zu Ende ist. Denn ich habe nicht mehr den Hauch einer Ahnung davon, wo ich bin. Und dann will ich mein Glück nicht überstra­pa­zieren, indem ich vielleicht eine Abzweigung falsch wähle… Und tatsächlich fühle ich mich wie ein stolzer Entdecker, der von seiner Expedition nach Hause zurück­kehrt, als das MoMo am Horizont auftaucht.

Das war dann auch schon der spannendste Abschnitt des Tages, denn für den Rest des Tages ist unser aufre­gendstes Erlebnis das An- und Abfahren von Autos, die (wie es hier anscheinend völlig üblich ist) mal kurz zum Schwimmen kommen und dann auch sofort wieder verschwinden. Lediglich eine Familie kommt mit Sack und Pack wie für eine Expedition beladen, um am anderen Ufer zu campieren. Sie wissen auch, im Gegensatz zu mir, wo sie hinmüssen! Was aber allen, die vorbei­kommen, nach wie vor gemein ist: Man ist eher freundlich reser­viert als aufdringlich laut. Gefällt uns!

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