Seen-(Tor-)Tour
4. Juli 2015

So ganz falsch habe ich mit den Befürch­tungen für die Nacht nicht gelegen. Aber letzten Endes waren es nicht die Halbstarken, die uns laut hupend wie eine Hochzeits­ge­sell­schaft, die vorüber­fährt, am Einschlafen hinderten. Denn das kann man ja irgendwann ausblenden. Aber wenn gefühlte 100 Möwen mitten in der Nacht einen Radau machen, als gebe es kein Morgen mehr und einige noch auf dem MoMo-Dach herum­turnen, können marodie­rende Jugend­liche einpacken: DAS raubt einem den Schlaf!

Entspre­chend gerädert wachen wir morgens auf und alles um uns rum ist so friedlich, als wäre alles nur ein böser Traum gewesen. Die Sonne strahlt und das einzige, was skurril aussieht, sind die Gestalten, die entweder im Bademantel oder aber gleich in Schwimm­montur zum Steg am Strand pilgern.

Der Plan für heute ist es, erst mal das Meer zu verlassen und zum Söderåsen-Natio­nalpark zu fahren. Dort gibt es verschiedene Wander­touren, die man auch mitein­ander verbinden kann und entspre­chend verlängern oder verkürzen kann. Beim auch heute wieder heißen Wetter um die 30° finden wir es ganz gut, dass wir da noch eine Option haben, eventuell zu verkürzen.

Die Ausfahrt aus Malmö ist fast noch gespens­ti­scher als die Einfahrt. Es ist ungelogen Samstags um 10 Uhr so wenig Verkehr wie bei uns nur an einem Neujahrs­vor­mittag. Dritt­größte Stadt Schwedens, pah!

Über weite Ebenen fahren wir in Richtung Söderåsen und sind regel­recht erleichtert, als es ein wenig hügeliger wird. Denn der Park soll eigentlich eine tiefe Schlucht sein und wir wollen ja schließlich nicht enttäuscht werden!

Auf dem großen Parkplatz finden wir einen Platz im Halbschatten und haben uns gerade auf den Weg gemacht, als wir es hinter uns auf dem Parkplatz heftig scheppern hören. Oh, nein, es wird doch nicht…? Puh, zumindest nicht das MoMo! Aber ein junges Mädchen hat beim Einparken etwas zu forsch die Kurve genommen und ist frontal in ein parkendes Fahrzeug gekracht. Nicht schön!

Die Wanderung geht durch einen Mischwald ziemlich steil bergan. Bei der Hitze schon anstrengend, aber im Vergleich zu den Cinque Terre im Frühjahr ein Klacks.

Der Aussichts­punkt ins tatsächlich tief einge­schnittene Tal wirkt so ein bisschen wie Grand Canyon für Arme mit Wald. Aber wahrscheinlich ist Sommer nach dem Winter auch die unattrak­tivste Jahreszeit für diesen Park. Mit der tollen Färbung des Herbst­laubs, wie auf der Parkbro­schüre, sieht es nämlich wirklich fantas­tisch aus!

Wir beschließen auf jeden Fall wegen der Hitze im kühlen Tal zu bleiben und gehen auf einem Holzboh­lenweg durch eine Landschaft, die doch noch sehr an unsere heimi­schen bergi­schen Wälder erinnert. Also schön, aber nicht spekta­kulär ungewöhnlich.

Wir machen uns also zu unserem Tagesziel auf: Ein schnu­cke­liger ruhiger(!) Platz am See ist unser erklärtes Ziel. Nach der Beschreibung im Womo-Führer könnte das am Västersjö-See wunderbar klappen. Und tatsächlich finden wir auf einer holprigen Piste entlang des Sees einen MoMo-großen Stell­platz mit Feuer­stelle und allem Schnick und Schnack. Perfekt!

Das einzige, was stört, sind die Hinter­las­sen­schaften unserer Vorgänger, die sage und schreibe 2 Tüten voll Müll rund um den Platz herum verteilt haben. Annette sammelt sie angewidert, aber tapfer auf. Wir bauen also unsere Stühle und unseren Klapp­tisch auf, kochen Kaffee und… hören auf einmal richtig fette Disco-Bässe: Utze-utze-utze! Zunächst denken wir noch an ein Auto, was vorüber­fährt, aber es sind tatsächlich unsere Nachbarn, die nicht einmal in Sicht­weise, aber trotzdem so einen Lärm erzeugen können.  Nach einer kurzen Besich­tigung weiß ich auch warum. Es ist Samstag, ein Haufen junger Leute hat sich gechillt zum Vorglühen an einem Wohnwagen getroffen und und aus zwei meter­hohen Subwoofern werden alle mit ihrer Musik beglückt. Sehr aufmerksam! Aber leider haben wir etwas andere Vorstel­lungen für unsere Abend­ge­staltung… Da es gar keine Frage ist, wer hier der “Stärkere” ist, brechen wir unsere Zelte ab, konsul­tieren den Womo-Führer und beschließen, unser Glück an 3 nahe beiein­ander liegenden Stell­plätzen weiter nördlich zu versuchen. Einer von den dreien muss es doch sein…

Nummer 1: Auch hier: wunder­schön gelegen, aber ebenfalls eine größere Gruppe Jugend­licher mit Zelten, Wohnwagen und ameri­ka­ni­scher Konfö­de­rier­ten­flagge. Ist uns zu riskant, auch wenn das ältere Pärchen vor ihrem Womo uns so nett zuwinkt.

Nummer 2: Schon besser. Offen­sichtlich ein Famili­en­ba­de­platz, denn es sind viele Eltern mit ihren kleinen Kindern dort. Aber die Möglichkeit, das Womo halbwegs eben abzustellen, ist nicht so toll und an der großen Feuer­stelle können wir uns zu späterer Stunde auch andere Kundschaft vorstellen. Erwähnt ich schon, dass wir eine ruhige Nacht anpeilen?

Nummer 3: Extrem unwegsam zu erreichen, weil die letzten Meter durch ein Wäldchen führen und einige Äste am MoMo-Dach entlang­schrappen. Aber dafür: Ein kleiner Steg, eine flache Badestelle und nicht viele Möglich­keiten, dass hier noch Massen an Leuten aufschlagen.

Und was tut das gut, nach diesem ganzen Hin und Her einfach in den See zu springen und sich zu erfri­schen! Haben wir wohl wieder alles richtig gemacht!

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