Tag der Türme
3. April 2015

Als wir gestern abend zurück zum Wohnmobil kamen, wunderten wir uns schon, wie voll der städtische Parkplatz geworden war. Heute morgen ist er noch voller, so dass auch der Platz neben uns belegt ist. Das hatte uns gestern abend aber schon unser Wachhund mitge­teilt, der, als alle schon im Bett lagen, kurz anschlug, weil sich jemand dem MoMo genähert hatte. Gut zu wissen!

Wir tanken vor der Weiter­fahrt noch einmal nach und nutzen die Gelegenheit, die Front­scheibe zu reinigen. Dumm nur, wenn der Griff des Abziehers so kurz ist, dass man auch als groß gewach­sener Mensch nicht bis nach oben kommt… Egal, gut gelaunt brechen wir nach San Miniato auf. Die Fahrt gestaltet sich sehr entspannt, bis es in den Ort hinein geht. Aber die Ortsdurch­fahrt ist dann nur etwas für Männer mit Stahl­seil­nerven. Ohne Gegen­verkehr wäre das nicht der Rede wert, aber wenn der Gegen­verkehr immer noch der Meinung “Passt scho!” ist, wenn man selber schon stehen geblieben ist und hinter einem auch eine Autoschlange hat, die kein Rangieren mehr ermög­licht, wird das Ganze lustig. Ob die nette Politesse, die per Funk ihre Kollegin am anderen Ende der Engstelle kontak­tiert, nur für diesen Zweck hier einge­setzt ist? Auf dem Parkplatz stehen wir dann aber sehr luxuriös und sorglos.

Wir begeben uns in Richtung des wirklich beein­dru­ckend hohen Turms Federico II. Von dort oben hat man sicher zur rechten Zeit eine tolle Fernsicht. Wir beschließen aber, nicht hinauf zu steigen, da man vom Platz am Fuße des Turms schon eine so gute Aussicht hat, wie vom anderen hohen Turm der Stadt. Und die Rundum­sicht ist wirklich toll — leider aber wegen der Mittags­sonne, die genau in Richtung der attrak­tivsten Motive steht, nicht wirklich fotokom­pa­tibel. Schade. Annette nutzt aber die Zeit für eine weitere Zeichnung in ihrem Skizzenbuch. Sofie und ich philo­so­phieren derweil über die Zahl der Backstein­lagen bis zur Turmspitze. Wir einigen uns auf großzügige 400–600 Reihen.

Wir nennen ihn Peter!  Wir nennen ihn Peter!

Nach einem Bummel durch den Ort, wo man nette Andenken aus Glas hätte kaufen können, kehren wir zum MoMo zurück. Nicht, ohne uns vorher noch mal gehörig erschreckt zu haben, als wir an einer Ausfahrt aus der Stadt gesehen haben, dass die Durch­fahrthöhe nur 3,15m beträgt. Rapallo reloaded? Oder noch mal durch den engen Ortskern? Nachher löst sich das Problem von alleine, denn wir müssen einfach die hinrei­chend breite Ausfahrts­straße vom Parkplatz weg weiter fahren.  Puh!

Wir stärken uns noch mit den Resten der Pizzen, die Sofie und Annette gestern nicht mehr geschafft haben. Übrigens ist Self-Service-Pizza-Taxi sehr zu empfehlen. Das geht so: In der Stehpiz­zeria in der Nähe des Stell­platzes Pizza kaufen und im MoMo genüßlich verzehren. Mjam! Zusätzlich gibts Feldsalat mit getrock­neten Tomaten und Hobelkäse und als Nachtisch frische Apfel­sinen. Doppelmjam!

Wir beschließen, Certaldo links liegen zu lassen (was wir auf der Vorbei­fahrt leicht bedauern, denn es sieht sehr nett aus) und direkt nach San Gimignano zu fahren. Der Stell­platz Santa Chiara wird als zwar teuer, aber mit kosten­losem Shuttlebus, Strom und Duschen beschrieben. Genau das, was wir heute brauchen. Denn wer schon mal rund um San Gimignano auf der Suche nach einem Parkplatz gekurvt ist, wird den Taxiservice zu schätzen wissen. Und da der gestrige Tag meine Kamera­akkus gefressen hat, ist Strom auch eine unver­zichtbare Notwen­digkeit. Zur Beschreibung des Stell­platzes können wir noch hinzu­fügen: schräg! Trotz Keilen kriegen wir nicht mal annähernd eine waage­rechte Position hin. Neidisch gucken wir auf die anderen Womos, die die richtig hohen Keile mit verschie­denen Leveln haben. Kommt auf die Einkaufs­liste!

Am späten Nachmittag brechen wir dann mit dem Shuttlebus des Camping­platzes nach San Gimignano auf. Ein nicht sehr vertrau­en­er­we­ckendes Gefährt, was komische Geräusche bei der Fahrt von sich gibt. Da zur angege­benen Abfahrtszeit 3 Familien mit Hunden warten, gibt es auch 3 Fahrten, obwohl mehr Leute in den Bus passen würden. Anscheinend gibt es aufgrund schlechter Erfah­rungen eine 1‑Hund-pro-Fahrt-Regelung.

Da wir beim Besuch vor 2 Jahren schon die wichtigsten Sehens­wür­dig­keiten gesehen hatten, nehmen wir uns jetzt Zeit zum Bummeln. Ich suche schon länger nach einem neuen Porte­monnaie, meine beiden Frauen können sich da mehr für Handta­schen begeistern. Sie versi­chern mir glaub­würdig, dass jede Frau sich anscheinend in San Gimignano eine Handtasche kaufen würde. Aber während ich fündig werde, haben die beiden einfach einen zu exklu­siven Geschmack und so bleibt bei Preisen jenseits der 200€ das Porte­monnaie zu.

An der Piazza della Cisterna folgen wir nur zu gerne dem Rat des Womoführers und auch unseren positiven Erinne­rungen an das Eis der “Weltmeister”-Eisdiele Dondoli. Und tatsächlich ist das Eis wieder himmlisch und trotz der schon etwas kühlen Abend­tem­pe­ra­turen ein Genuss.

Wir machen uns auf die Suche nach einem netten Restaurant für den Abend und folgen mal wieder dem Rat von Tripad­visor, der uns auch heute nicht im Stich lässt. La Vecchie Mura heißt unsere Entde­ckung und hat im Sommer sicherlich eine herrliche Terrasse. Wir sind aber schon glücklich, dass wir den aller­letzten Platz im Restaurant kriegen und genießen das leckere Essen und den lokalen Rotwein ausgiebig. Denn der Plan ist es, auf die Karfrei­tags­pro­zession zu warten, die um 21.30 Uhr beginnen soll.

Die Stadt ist kurz nach 21 Uhr von den größten Touris­ten­massen befreit, so dass man das abend­liche Ambiente in den alten Mauern erst so richtig genießen kann. Alles ist toll beleuchtet und die Stimmung ist einfach unbeschreiblich schön.

Sofie und ich strömen mit der Masse in den wirklich sehr schönen Dom, wo aber nur noch eine kurze Ansprache gehalten wird, bevor die Prozes­si­ons­teil­nehmer mit ihren schwarzen Kutten hinaus­treten und festlich zu singen beginnen. Von den alten Gemäuern hallt es zurück. Toll!

Wir beschließen aber, nachdem wir dem Ganzen etwas zugeschaut haben, zum Shuttlebus zurück­zu­kehren, damit wir auch noch gemütlich etwas im MoMo sitzen können. Als wir aber die Menge der Wartenden sehen, beschließen wir, die 900m mal eben zu Fuß zurück­zu­legen. Heimge­leuchtet von der Handy­ta­schen­lampe kommen wir unbeschadet wieder am Camping­platz an. Was ein toller Tag!

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